Schnitt bei Roten Johannisbeeren




Beim Schneiden der Johannisbeeren hat sich doch einiges verändert in den letzten Jahren. Das liegt zum einen an den Sorten, vielmehr jedoch an den veränderten Erziehungsformen. Neben der früher üblichen Buscherziehung hat sich heute vielerorts auch die Spindelerziehung sowie als Weiterentwicklung derselben die 2- bzw. 3-Asthecke entwickelt. Mitunter sind auch noch auf stammbildende Unterlagen veredelte Halb- bzw. Hochstämmchen zu finden. Da die Nachteile hier jedoch überwiegen (eine Verjüngung aus Bodentrieben ist nicht möglich), haben sie keine große Bedeutung mehr. Zum besseren Verständnis eines sortenabhängigen Schnittes zuerst ein kleiner Exkurs in die Botanik der Johannisbeeren.

Wachstums- und Fruchtungsverhalten

Botanisch gesehen gehören Johannis- und Stachelbeeren zu den Sträuchern, d. h. sie verzweigen sich unmittelbar an der Basis (Wurzelstock). Sie tragen alle die besten Qualitäten am einjährigen Holz, woraus sich notwendigerweise ein stärkerer Umtrieb ableitet: alle 3-5 Jahre sollten die Tragäste ersetzt werden, um neue Bodentriebe nachzuziehen. Damit sind immer kräftige einjährige Ruten vorhanden, denn mit zunehmendem Alter werden die Triebe immer kurzer und schwächer, und dementsprechend auch die Fruchtqualität. Ansonsten sind die selbstfruchtbaren Johannisbeeren am jungen Holz sehr fruchtbar, über einen Mangel an Früchten kann man sich auch unter extremen Umständen (z. B. Frost) in der Regel nicht beklagen. Rote und weiße Johannisbeeren sowie Stachelbeeren fruchten am ein- und mehrjährigen Holz, schwarze Johannisbeeren tragen ausschließlich am einjährigen Holz Früchte. Die beste Fruchtqualität wird jedoch auch bei roten und weißen Johannis- und Stachelbeeren am einjährigen Fruchtholz erzielt

Schnitt und Erziehung

Johannisbeerbüsche

Die wichtigste Maßnahme bei der Buscherziehung ist ein kontinuierlicher Umtrieb des Fruchtholzes. Deshalb ist ein jährlicher Schnitt notwendig, um ältere, abgetragene Triebe gegen junge Bodentriebe auszutauschen, da sonst die Qualität spürbar leidet. Pro Busch belässt man ca. 8-10 Triebe, bei starkwachsenden Sorten (z. B. `Heinemann`s Spätlese`, `Rovada`) könnten es auch mehr sein, was aber zu Lasten einer guten Beerntbarkeit geht. Weiterhin sollte man darauf achten, dass die Büsche nicht auseinanderfallen und die Triebe unter der Last der Früchte auf dem Boden liegen. Sorten mit geringerer Statik (z. B. Red Lake) sollten deshalb regelmäßig jährlich um 1/3 zurückgeschnitten werden. Grundsätzlich sollten bei einem Johannisbeerbusch immer ein ausgewogener Anteil an 1-, 2-, 3- und mehrjährigen Trieben vorhanden sein, wobei die schönsten Früchte immer am 1 -jährigen Holz hängen. Buschpflanzungen werden im Abstand von 3 x 1 m gepflanzt und finden haupsächlich bei schwarzen Johannisbeeren Verwendung.


Spindelerziehung

Die Erziehung zur Johannisbeerspindel bzw. als Hecke (2-, 3-Trieber) ist zu Beginn etwas aufwändiger. Nach dem Pflanzen müssen die „Stämme“ (Stammhöhe 50-60 cm) mehrmals an der Basis aufgeputzt werden. Ganz wichtig ist das konsequente Anheften des Leittriebes, nur so ist ein aufrechtes „baumartiges“ Wachstum möglich. Spätestens im dritten Standjahr ist ein intensiver Schnitt nötig, damit möglichst viele gute Früchte am einjährigen Holz geerntet werden können. Denn dort hängen die dicksten Beeren an den längsten Trauben mit der geringsten Anfälligkeit für das verrieseln. Beim Winterschnitt lässt man pro Achse sechs bis acht einjährige Fruchttriebe stehen, alles andere wird weggeschnitten. Hierbei sollte man den unterschiedlichen Sortenansprüchen gerecht werden:


Sorte
optimale Trieblängen

5 – 15 cm
20 – 30 cm
30 – 50 cm
Jonkher van Tets
XX


Red Lake, Rolan, Roodneus, Detvan

XX

Rovada, Rotet, Rosetta, Tatran, Rubigo


XX
Schwarze Johannis-beeren


XX


Grundsätzlich gilt bei Johannisbeeren folgende Regel: Je stärker der Winterschnitt, desto besser sind Traubenlänge und Beerengröße und damit auch die Pflückleistung. Darüber hinaus fördert ein starker Fruchtholzschnitt das Wachstum und bildet die Grundlage für ausreichend neues einjähriges Fruchtholz und für eine gute Regeneration.

Schnittzeitpunkt: Bei stark wachsenden und frühreifenden Sorten ist vor bzw. nach der Ernte ein Sommerschnitt sinnvoll. Dabei werden nicht benötigte und zu lange Triebe entfernt. Dadurch werden die Beeren und die verbliebenen Knospen besser belichtet. Die restlichen Schnitt- bzw. Formierungsarbeiten können direkt nach der Ernte bzw. bis Januar ausgeführt werden. Zur Schnitttechnik: Anders als beim Apfel, wo in der Regel auf Astring geschnitten wird, belässt man bei den Strauchbeeren einen kleinen Zapfen (ca 1-2 cm). Durch den regelmäßig starken Verjüngungsschnitt entwickeln sich aus diesen Stummeln wiederum kräftige einjährige Triebe, welche im Folgejahr das Fruchtholz bilden können.
Unbedingt sollte rechtzeitig mit dem Nachziehen eines neuen Bodentriebes zur Erneuerung der Mittelachse begonnen werden. Meistens werden drei Jahre für den Aufbau eines neuen Mitteltriebes benötigt. Häufig geht die Triebleistung der alten Mittelachse nach dem fünften oder sechsten Jahr stark zurück. Somit muss im dritten bzw. spätestens im vierten Laub mit dem Nachziehen begonnen werden, damit danach die Bodentriebe ausgewechselt werden können.
Alle überschüssigen Bodentriebe müssen gegebenenfalls mehrfach jährlich durch ausbrechen entfernt werden.

Spindel und Mehrtrieber am Drahtrahmen

Sowohl Rote Johannisbeeren als auch Stachelbeeren können grundsätzlich als Spindel am Drahtrahmen erzogen werden. Bei der eintriebige Erziehung (Spindelerziehung) wird auf 30-35 cm Pflanzabstand gepflanzt, bei der zwei- oder dreitriebigen Erziehung (Heckenerziehung) auf 60 - 75 cm.

Das Grundgerüst für die Erziehung ist ein Drahtrahmen, der leicht zu bauen ist. (siehe Abbildung 1+2).
Pfähle: 8/10 -er Zopfstärke
Pfahlabstand: 5-6 m
Drähte: 2 Drähte in 0,60 + 1,5 m Höhe, dazwischen werden Tonkinstäbe (Bambus) mit Klammern befestigt (zum Fixieren des Leittriebes). Bei der Heckenerziehung kann man alternativ zu den Tonkinstäben auch 4 Drähte spannen.




Abbildung 1: Erziehung am Drahtrahmen mit zwei horizontalen Drähten und Tokinstäben
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Abbildung 2: Erziehung am Drahtrahmen mit vier horizontalen Drähten