Blütenstreifen – mehr Natur in Stadt und Dorf




In den letzten Jahren kann man permanent beobachten, wie unsere Städte und Dörfer blütenärmer werden. Während beklagt wird, dass in freier Landschaft immer weniger Wildblumen anzutreffen sind, die Insekten und Vögeln Nahrung bieten, scheint das im eigenen Vorgarten oder öffentlichen Grün wenig zu stören.

Mehr Blumen in die Städte und Dörfer!

Es ist ein Trend der letzten Jahre: eine Wagenladung Schotter oder Kies in den Vorgarten, ordentlich verteilen und mäßig mit einzelnen, immergrünen Gehölzen bepflanzt. Die Hoffnung: ein pflegeleichter, immer proper-sauberer Garten. Doch weit gefehlt! Im Herbst heißt es angewehtes Falllaub auslesen und an schattigen Stellen stellen sich in kürzester Zeit Algen und Moose ein und in wenigen Jahren zeigt sich auch an anderen Stellen unerwünschter Aufwuchs – und was dann? Auch der Bereich des öffentlichen Grüns stand in den letzten Jahrzehnten ständig unter Sparzwang. In Folge verschwanden immer mehr Blumenbeete, da sie zu arbeitsintensiv waren. Jedoch auch Rasenflächen brauchen ständige Pflege und ungepflegte Ecken vermüllen schnell und fordern Vandalismus heraus. Zum Glück zeichnet sich aber gerade jetzt im öffentlichen Bereich eine Trendwende ab: Durch die Aussaat von Blütenmischungen.


Ihr Vorteil: annuelle (einjährige) Blumenwiesen und Blütenstreifen sind eine günstige, gleichzeitig attraktive, zudem ökologisch wertvolle Lösung und bei einer großflächigen Anlage ist sogar Maschineneinsatz möglich. Im Gegensatz zur mehrjährigen Blumenwiese ist es eine Gestaltung auf Zeit, die sich aber durchaus zur Dauerlösung entwickeln kann.
Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Blütenmischungen einjähriger Blütenpflanzen, die speziell für diesen Zweck entwickelt wurden. Sie sind so zusammengestellt, dass die Blütezeit schon 8 bis 10 Wochen nach der Aussaat einsetzt und bis zum Frost andauert. Eine gestaffelte Aussaat ab Ende März bis zum Juni ist möglich.

Einige Beispiele für Blütenmischungen:

1kg Saatgut für 200 m²
Ca. Preis
Eschweger Blütenzauber
107,00 €
Blumenwiese Werratal
97,00 €
Gönniger Sommerpracht
65,00 €
Mössinger Pastellmischung
106,00 €
Um als Bienenweide zu dienen und auch anderen Insekten und Vögeln Nahrung zu bieten, ist es wichtig, dass die Mischungen ganz oder zum größten Teil aus ungefüllten, samenbildenden Sorten bestehen.

Aussaat und Pflege

Grundsätzlich sollte die Fläche frei von Wurzelunkräutern sein. Idealer Weise werden die Flächen ca. 4 Wochen vor der Aussaat gefräst, damit vorhandene Wildkräutersamen noch vor der Aussaat austreiben. So kann man sie bei einer nochmaligen maschinellen Bodenbearbeitung kurz vor der Aussaat mechanisch entfernen. Die Fläche wird eingeebnet, anschließend eingesät und gewalzt. Das Vorgehen gleicht somit einer Rasenaussaat. Beim Säen ist auf eine gleichmäßige, nicht zu dichte Verteilung zu achten, da sonst die schnellwüchsigen Arten die langsameren unterdrücken. Tipp: Saatgut 1:5 mit Sand mischen! In der Regel werden 5-8g/m² Saatgut benötigt. Während der Keimphase (ca. 1-3 Wochen je nach Temperatur) ist das Beet gut feucht zu halten! Daher sind späte Aussaaten im Juni etwas schwieriger, da sie bei hochsommerlichem Wetter eine tägliche Beregnung erfordern. Ca. 4-6 Wochen nach der Aussaat sollten ungewollte Wildkräuter und Gräser gejätet werden, danach wird der Blütenstreifen bzw. das -beet sich selbst überlassen. Ein Betreten zum Jäten, wie bei üblichen Blumenbeeten, ist später nicht mehr möglich, ohne dabei die Pflanzen zu beschädigen!



Vorgehen im Überblick
Arbeitsschritte
Mit Maschineneinsatz (Großflächen)
Mit Gartengeräten (Kleinflächen)
Lockern (ca. 4 Wochen vor Aussaat)
fräsen
mit Kultivator durchziehen, schwere Böden vorher umgraben
Auflaufende Unkräuter entfernen (kurz vor der Aussaat)
fräsen
mit Kultivator oder Blatthacke durchziehen
Einebnen
Egge
mit Gartenrechen feingrümelig machen und einebnen
Aussäen (5-8g/m² Saatgut, 1:5 mit Sand mischen)
mit Sämaschine oder Steuwagen
mit der Hand gleichmäßig ausstreuen
Andrücken
walzen
mit Gartenrechen
Jäten (4-6 Wochen nach Saat)
unerwünschte Wildkräuter auszupfen
Wässern während der Keimphase
Regelmäßig bei Bedarf wässern
Und im nächsten Jahr?

Bei den angebotenen Blütenmischungen handelt es sich größtenteils um einjährige Arten, die sich teilweise jedoch sehr gut selbst aussäen. Vorraussetzung ist natürlich, dass die Samen ausreifen und die Fläche nicht zu früh gemäht wird! Verbleibt das Mähgut einigen Tage zum Abtrocknen auf der Fläche, erhalten die Samen Zeit zum Ausfallen. Damit ist die Aussaat für das nächste Jahr gleich mit abgeschlossen! Will man einen farbenfrohen Frühjahrsaspekt, kann man jetzt noch Blumenzwiebeln einpflanzen.


Allerdings ist zu bedenken, dass sich bei der Selbstaussaat bestimmte Pflanzen verstärkt durchsetzen, so dass im zweiten Jahr die Artenvielfalt abnimmt. Möchte man also das gleiche Erscheinungsbild, wird man im Herbst abmulchen und im Frühjahr frisch einsäen. Auch wenn zu stark unerwünschte Wildkräuter aufgetreten sind, sollte im nächsten Jahr eine Neuanlage gemacht werden.

Einsatzbereiche

Sowohl kleine Rabatten und Beete als auch große Flächen lassen sich mit Blütenmischungen gestalten. Natürlich wird man bei großen Streifen Maschinen und Geräte einsetzen. Dies muss jedoch schon bei der Planung berücksichtigt werden. So ist es sinnvoll, die Beete als Streifen oder Rechteck anzulegen und die Breite dabei auf die Arbeitsbreiten der vorhandenen Maschinen abzustimmen und das kann im Einzelfall der einfache Streuwagen oder eine große Sämaschine sein! Kreise und unregelmäßige Formen sind möglich, aber arbeitsintensiver.

Einjährige Blumenmischungen ergeben Beete mit naturnahem Charakter. Sie sind bunt und lebendig, aber natürlich keine Prachtstaudenbeete! Doch sie bieten eine Chance, aus dem „hässlichen Entlein“ einen Schwan zu machen: extensiv oder gar nicht mehr gepflegte Ecken im Garten könnten so wieder attraktiv und bunt gestaltet werden. Mit geringem Einsatz kann so die Artenvielfalt in den Gärten erhalten bleiben.




Eine Pracht zum anschauen und Nahrung für Insekten
und Vögel: bunte Blütenstreifen