Heiße, trockene Sommer: Holz- und Borkenschädlinge auch an Laubgehölzen!

In der Presse sind Warnungen vor massivem Borkenkäferauftreten an Nadelbäumen zu lesen. Doch nicht nur der Wald ist in Gefahr, denn warme, trockene Sommer günstigen die Entwicklung von Insekten und schwächen gleichzeitig die Bäume. Es ist also auch in unseren Gärten mit einem vermehrten Auftreten verschiedener Schadinsekten bzw. deren Larven zu rechnen, die Gartenbäume und Heckenpflanzen zum Absterben bringen. Dabei gibt es auch einige Schädlinge, die speziell Laubgehölze befallen. Gemeinsam ist diesen Schmetterlings- und Käferarten, dass sie an geschwächten Gehölzen Eier ablegen. Die Larven bohren sich in das Holz ein und schädigen die Pflanze durch Fraßgänge unter der Rinde. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist nur sinnvoll bzw. möglich, solange die Raupen bzw. die Käfer noch auf Knospen und Blättern sitzen.

Weidenbohrer (Cossus cossus):
Er ist ein graubrauner, sehr plumper Falter mit bis zu 10 cm Flügelspannweite. Die fleischroten Raupen sind bis 10 cm lang und 1 cm dick. Die Bohrlöcher riechen intensiv nach Holzessig. Seine Entwicklung dauert 3 Jahre. Befallen werden u.a. Weide, Birke, Esche, Apfel- u. Kirscharten, Mehlbeere, Eiche, Pappel, Ulme. Der Larvenfraß findet im untersten Stammabschnitt statt. Die Raupe frisst ca. 15 mm dicke Gänge, Bohrmaterial und Kot werden nach außen gestoßen und es erfolgt Saftaustritt aus den Ausbohrlöchern.

Blausieb (Zeuzera pyrina):
Dieser nachtaktiv Falter hat nur eine Flügelspannweite von 45-65 mm und weiße, durchscheinende Flügel mit blauschwarzen Flecken. Die Raupe ist 5-6 cm groß, weißlich-gelb, mit schwarzen, behaarten Warzen besetzt und hat ein braunes Kopf- u. Nackenschild. Die Entwicklungsdauer beträgt 2 bis 3 Jahre. Das Blausieb hat die gleichen Wirtspflanzen wie der Weidenbohrer. Im Gegensatz zum Weidenbohrer, der ältere Bäume bevorzugt, befällt es jedoch meist Jungbäume (- 10 Jahre) bzw. Stämme oder Ästen von weniger als 10 cm Durchmesser. Im Kernholz können Gänge von 20 bis über 40 cm Länge entstehen. Die Verpuppung erfolgt im Fraßgang. Den Befall erkennt man an Kot und Holzteilchen, die aus dem Einbohrloch herausgeschafft werden.
Bekämpfung der Schadraupen: Im Sommer (Weidenbohrer: Juni -Juli, Blausieb: Juli - September ) auf Fraßschäden kontrollieren und Schadstellen bis ins gesunde Gewebe hinein ausschneiden u. samt Räupchen vernichten. Wundverschluß! Eingebohrte Raupen können mit einem Draht, der ins Bohrloch eingeführt und dort bewegt wird, evtl. getötet werden. Stark befallene Bäume sollten gerodet und verbrannt werden, bevor sich die Larven verpuppen

Ungleicher Holzbohrer (Anisandrus dispar):
Der schwarze – schwarzbraune Käfer ist unterschiedlich groß: Weibchen ( 3 – 3,5 mm) und Männchen (2 mm). Seine Flügeldecken und sein Brustschild sind behaart. Die Larven (4 bis 5 mm) sind weißlichen und fußlos. In der Regel werden nur geschwächte Obstbäume befallen, z.B. Apfel und Kirsche, Ahorn, Eiche, Esche und andere Laubhölzer. Er befällt den Holzkörper, wobei sich nur wenige Bohrlöcher (Durchmesser etwa 2 mm) an der Rinde finden. Es erfolgt das Einbohren eines waagrechten Ganges, der scharf umbiegt u. fast kreisförmig einem Jahresring folgt, davon ausgehend finden sich kurze nach oben u. unten gerichtete Gänge. Bekämpfung: Vorbeugend Einsatz der Alkoholfalle (von April -Anf. Juni). Dadurch ist im Obstbau eine Reduzierung des Ungleichen Holzbohrers ohne chemische Mittel möglich.

Großer Obstbaumsplintkäfer (Scolytus mali, Synonym: Scolytus pruni):
Dieser Käfer ist 3,5-4,5 mm lang, Kopf und Thorax sind schwarz, die Flügeldecken glänzendbraun. Apfel, Quitte, Birne, Pflaume, Kirsche, Zwergmispel, Weißdorn, Vogelbeere werden befallen. In der Regel handelt es sich um geschwächte Bäume. Bei starkem Auftreten können auch gesunde, ebenso neu gepflanzte Jungbäume betroffen sein. Einbohrlöcher in Stamm oder Ästen, austretendes Bohrmehl sowie 5-12 cm lange, senkrecht nach oben oder unten verlaufende, Fraß- und Brutgängen direkt unter der Rinde zeigen den Befall an.
Solche Bäume sollten gerodet und verbrannt werden, bevor sich die Larven verpuppen. Zur Zeit stehen zulassungsbedingt keine Pflanzenschutzmittel zur Verfügung!
Stresssituationen wie Pflanzung, Trockenheit und extreme Witterungslagen schwächen die Gehölze und machen sie anfällig. Optimale Wasserversorgung, Ernährung und Pflege beugt am sichersten dem Befall durch Holz- und Borkenschädlinge vor!






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