Die Quitte - eine der ältesten Obstarten

Herkunft
Die Wildformen stammen aus Transkaukasien, Turkestan und Persien und kamen von dort über Kleinasien, Nordafrika nach Südeuropa. Heute sind Quitten weltweit zu finden, in Deutschland selbst gibt es allerdings nur sehr wenige Erwerbsanlagen. (Quitten sind hier überwiegend in Hausgärten zu finden).

Die Pflanze
Die botanische Bezeichnung der Quitte lautet „Cydonia Oblonga“ und stammt aus dem lateinischen „Mela cydonia“, was mit „Apfel aus Kydon (Kydon = alter Name für Kreta) zu übersetzen ist. Die Quitte ist die einzigste Art der Gattung Cydonia und unter den Rosengewächsen am nächsten verwandt mit der Gattung der Scheinquitte (Chaenomeles).
Die Quitte bildet 3-6m hohe und ebenso breite Gehölze mit strauch- oder bauchförmigem Wuchs und kann bis zu 50 Jahre alt werden.
Die Jungtriebe sind dicht filzig behaart und die Zweige verkahlen mit zunehmendem Alter. Die ganzrandigen Blätter werden bis zu 10 cm lang und 7,5 cm breit, sind länglich eiförmig mit rundlich- herzförmiger Basis. Junge Blätter zeigen beiderseits dichte weißwollige Behaarung, vollausgebildete Blätter sind oberseits kahl und unterseits wollig behaart. Der bis zu 2 cm lange Blattstiel ist teilweise mit Nebenblättern von 6-12 mm Länge und 4-6 mm Breite versehen.
Die duftende Blüte hat bis zu 7 cm Durchmesser und wird aus fünf weiß oder rosa gefärbten Blütenblättern gebildet.
Wenn die Temperaturen unter –25°C sinken, gibt es Schäden an den Fruchtknospen. Die Quitte ist demnach winterfrostgefährdet. Sonnige Standorte fördern eine optimale Holzreife und vermindern dadurch die Frostanfälligkeit.
Blatt- und Blütenknospen sind nur schwer voneinander zu unterscheiden. Anders als bei anderen Obstgehölzen werden die Blütenknospen erst im Herbst differenziert. Während der Wintermonate schreitet die Blütenknospendifferenzierung bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt fort. Wegen ihrer späten Blüte (Mai/Juni) ist die Quitte auch für Spätfrostlagen geeignet. Der Baum ist selbst fruchtbar und wird hauptsächlich von Bienen bestäubt. Die einzelstehenden, großen Blüten haben wie die Früchte einen hohen Zierwert.

Standortansprüche
Quitten lieben warme, mittelschwere, humus- und nährstoffreiche Böden mit ausreichender Durchlüftung und genügender Feuchtigkeit. Ausgesprochen kalte und nasse Böden sind unbedingt zu meiden, windgeschützte Lagen sind dagegen zu bevorzugen. Ausreichende Kaliversorgung ist wichtig, sonst können Blattaufhellungen in Fruchtnähe auftreten (Konkurrenz zwischen Blättern und Früchten). Wichtig ist auch der Kalkgehalt des Bodens.

Vermehrung
Veredlung auf eine Unterlage => Quitte A (=> Sämlinge des Weißdorns, Feuerbrand!)

Pflanzung
Die Bäume werden am besten als einjährige Pflanzen im Frühjahr gepflanzt. Der Pflanzenabstand sollte bei Quitten-Unterlagen auf guten Böden 5 m zwischen den Reihen und 3-3,5 m in der reihe betragen (weitester Abstand für einzelne Gehölze 4-5 m). Die Bäume sollten in der Jugend möglichst in die Breite gezogen werden, damit eine große Kronenoberfläche entsteht, da die Quitte wegen ihres hohen Lichtbedarfs nur im peripheren Bereich fruchtet.

Schnitt
  • Pflanzenschnitt: Stammverlängerung und Leittriebe unter Schonung des Kurzholzes kräftig zurückschneiden, Schnittstellen verstreichen (Frühjahr)
  • Üblicher Erziehungsschnitt in den ersten Standjahren (nicht unbedingt erforderlich, auch ohne Schnitt lockere, strauchförmige Krone)
  • Im Alter gelegentlicher Auslichtungsschnitt zur Fruchterneuerung

Krankheiten
  • Die Quitte zählt zu den Hauptwirten des gefährlichen bakteriellen Feuerbrandes!
  • Fleischbräune bei ausgedehnter Lagerdauer (abhängig von Erntezeitpunkt und Sorte)
  • Viröse Steinfrüchtigkeit: Steinzellen nahe der Fruchtoberfläche => sortenbedingt und abhängig von Witterung (Wassermangel schadensfördernd)
Gattungstypische Krankheiten und Schädlinge an Quitten gibt es nicht.

Ernte
Die Quitten können geerntet werden, wenn sich die Früchte von grün nach gelb verfärben (je nach Sorte etwa Mitte bis End Oktober). Die Pflückzeit dauert rund vier Wochen.
Bemerkung: Die Quittenernte kann nach Abschluss der Apfelernte vorgenommen werden, insofern lässt sich die Frucht arbeitswirtschaftlich gut in einen Obstbaubetrieb einordnen! Die Ernte ist unbedingt vor Frosteintritt abzuschließen, da die Frucht schon bei –2,2°C erfriert, bzw. nach Frost geerntete Früchte nach wenigen Tagen starke Fleischbräune erleiden.

Erträge
Die Erträge liegen zwischen 15 und 30 kg/ Baum, das entspricht bei einem Pflanzenabstand von 5 x 3-3,5 m einen Hektarertrag von 100-200 dt. In der Hauptertragsphase (8.-10. Standjahr) sind durchaus auch 300-400 dt/ha möglich. Fruchtgewicht: Wildformen: 100-200 g; Kultursorten: bis zu 400 g!

Lagerung
Gesund, unbeschädigte Früchte lassen sich etwa sechs bis acht Wochen lagern, wobei die optimal Lagertemperatur bei 1,5°C - 2°C liegt.
Eine maximale Lagerdauer ist erreichbar, wenn die Ernte zum Zeitpunkt des Farbumschlags der Grundfarbe von grün nach gelb vorgenommen wird, doch je länger die Früchte gelagert werden, umso mehr verschwindet das Aroma. Außerdem verfärbt sich das Fruchtfleisch bei ausgedehnter Lagerdauer von gelb nach braun ohne dass dies äußerlich sichtbar ist. Bei Lagerung mit anderen Früchten kann der intensive Quittengeruch den Geschmack der anderen Früchte beeinträchtigen.

Die Quitte als Unterlage
Da es für Birnen bislang keine schwachwachsenden Unterlagen aus der eigenen Gattung gibt, nimmt man dazu die nahe verwandte Quitte. Von zahlreichen Klonen hat sich die in East Malling (England) ausgelesene Quitte A (= Quitte aus Angers) am besten bewährt. Sie bewirkt kleine Bäume-, frühe, hohe, gleichmäßige Erträge, auch die Fruchtgröße ist besser als auf Birnensämlingen. Nachteil: Sie ist anfänglich weniger standfest und frostanfälliger als Birnenunterlagen.
Eine Reihe von Birnensorten sind unverträglich mit Quitte => ausgleichbar durch die Verwendung virusfreier Unterlagen und Sorten.

Weitere Unterlagen:
  • Quitte C, schwächer wachsend, sehr frostempfindlich
  • Provence Quitte
  • Quitte Adams

Die Quitte selbst wird meist auf Quitte A veredelt. Möglich wäre auch die Veredlung auf Weißdorn oder Eberesche, allerdings sind diese höchst anfällig für Feuerbrand!

Stand des internationalen Anbaus
Gemäß ihrer natürlichen Verbreitung ist der Anbau der Quitte seit jeher in den Herkunftsgebieten dieser Obstart wie Vorderasien, den asiatischen und transkaukasischen Sowjetrepubliken besonders konzentriert. Im internationalen Anbau steht die Sowjetunion mit 22.000 ha an der Spitze, die USA haben etwa 3.500 ha, Rumänien 3.000 ha, Mexiko und Australien je 1.000 ha und Bulgarien 500 ha. Für den erwerbsmäßigen Anbau ist die Quitte darüber hinaus in Ungarn, Italien, Südfrankreich, Spanien und Portugal anzutreffen. Auch in der ehemaligen DDR und in der Schweiz wird seit einigen Jahren versucht, den Anbau der Quitte für die industrielle Verarbeitung zu erweitern.

Sorten
Das gegenwärtige Weltsortiment umfasst mit den Neuzüchtungen rund 200 Sorten, die oft recht schwierig auseinander zuhalten sind, da schon innerhalb der Krone eines einzigen Baumes die Fruchtmerkmale bezüglich Form und Ausfärbung stark variieren können. Häufig werden verschiedene Sorten unter einem Namen geführt; gelegentlich tauchen auch unterschiedliche Herkünfte der selben Sorte unter verschiedenen Namen auf.
Quittensorten können in zwei Hauptgruppen eingeteilt werden (Einteilung nach Fruchtform und Qualitätseigenschaften):

Rundliche Apfelquitten, z. B.:
  • Konstantinopeler (trocken und hart im Fruchtfleisch, aromatischer als Birne)
  • Riesenquitte von Lescovac

Konstantinopeler
Längliche Birnenquitten, z. B.:
  • Portugiesische Quitte
  • Bereczki Quitte
  • Champion
  • Ronda
  • Vranja
  • Bourgeot
  • Van Deman


Vranja


Inhaltsstoffe der Quitte:
8 - 10% Zucker
0,70 - 0,85% organische Säuren
1,2 – 1,8% Pektine
0,20 – 0,35% Gerbstoffe
13 mg/100 g Vitamin C, einzelne Sorten haben bis 30 mg/100 g

Nutzung
Die Quitte wurde früher hauptsächlich zu Heilzwecken benutzt : Man schätzte die Quittensamen wegen ihrer Schleimstoffe als hustenlösendes Mittel, darüber hinaus wurden sie auch zur Heilung von Hautabschürfungen, als Augenwasser und für kosmetische Zwecke (Haarfestiger) genutzt. Quittensaft galt als magen- und leberstärkend. Hildegard von Bingen nutzte die Quitte als Mittel gegen Gischt und Geschwüre.
Neben ihrer Heilwirkung ist die Quitte vor allem eine Verarbeitungsfrucht. Roh ist sie fast nicht zu genießen, da das Fruchtfleisch sehr hart und der Geschmack herb-säuerlich ist. Verwendung findet die Quitte bei der Herstellung von Marmelade, Gelee, Quittenbrot (getrocknetes Mus), Kompott, Quittenlatwerg (eingedickter, mit Honig versetzter Saft). Bei der Fruchtsaftherstellung wird Quittensaft gerne als Verschnitt verwendet, da der hohe Anteil an Säuren und Aromastoffen geschätzt wird. Schnapsbrenner beurteilen den Rohstoff Quitte ebenfalls positiv.
Die Quitte ist wegen ihrer schönen Blüte und der wohlriechenden Früchte zumindest im Liebhaberobstbau und bei Hausgartenbesitzern bei uns immer noch gefragt. Ihr Hauptwert beschränkt sich aber mittlerweile auf ihre Verwendung als schwachwachsende Unterlage für Birnen. Von Nachteil ist allerdings die hohe Feuerbrandanfälligkeit.





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