Obstgarten im Mai

Der Wonnemonat Mai hat oft 2 Gesichter, denn neben warmen Sonnentagen kann er sich auch von seiner launischen Seite zeigen. Allen Gartenfreunden bekannt sind die 3 frostigen „Bazi“ Pankrazi (12.5.), Servazi (13.5.) und Bonifazi (14.5.), nicht zu vergessen die kalte Sophie (15.5.).“ Um diese Zeit kann es noch einmal richtig ungemütlich kalt werden, so manche Kultur wird hierdurch noch beeinträchtigt oder zumindest in der Entwicklung verzögert. Also, Aufpassen ist angesagt, und im Zweifelsfalle mal nachts ein wärmendes Vlies über die empfindlichen Kulturen legen.


Auch wenn es kühl ist – Wildkraut wächst immer!

Sicher haben Sie das auch schon bemerkt: trotz kühler Temperaturen, die bei vielen Obstgehölzen zu Wachstumsverzögerungen führen, fühlen sich viele Wildkräuter sehr wohl und wachsen kräftig. Mit dem Entfernen sollte man früh genug anfangen, denn als Jungpflanze lassen sich viele Pflanzen noch mühelos entfernen. Am Besten geschieht dies durch herausziehen mit der Wurzel oder hacken. Eine Abdeckung mit organischen Materialien (Stroh, Rinde) erschweren das Wachstum und erleichtern das herausziehen, speziellen Abdeckscheiben aus Pappe, Plastik oder Holz verhindern das Wachstum auf der Baumscheibe. Möglich ist aber auch eine Abdeckung mit Schwarzfolie oder Bändchengewebe, denn darunter wird jedes Unkrautwachstum unterbunden. Achten Sie besonders darauf, die Pflanzen vor dem Blühen zu entfernen. Denn diese Wild- oder Beikräuter haben teilweise sagenhafte Reproduktionsraten: so kann eine Pflanze der kleinen Brennessel bis zu 1000 Samen erzeugen, eine Ackerkratzdistel bis zu 5000, eine geruchlose Kamille bis zu 200.000 und ein Rauhaariger Amaranth bis zu 1 Million Samen! Sind die Samen einmal im Garten, können sie oft über viele Jahre dort überleben. Am längsten halten es Vogelmiere und die gemeine Rispe mit über 60 Jahren aus! Deshalb gilt auch im Obstgarten die alte Gärtnerregel: „Lässt Du ein Jahr das Unkraut stehen, musst 7 Jahr du jäten gehen!“


Das geht nicht: Herbizide auf versiegelten Flächen!

Warum sind Herbizide nur für Gartenbeete oder unbefestigte Gartenwege zugelassen und nicht für die Fugen gepflasterter Flächen? Hierfür gibt es einen wichtigen Grund: Denn die Wirkstoffe der Unkrautbekämpfungsmittel werden nur auf gewachsenem Boden abgebaut! Auf versiegelten Flächen wie gepflasterten Höfen, Gehwegen oder Garageneinfahrten funktioniert das nicht. Der Wirkstoff bleibt auf den Steinen liegen, und beim nächsten Regen wird er ohne Rückhalt in den Kläranlagen in die Oberflächengewässer gespült. Und dort gehört er überhaupt nicht hin und beeinträchtigt das Ökosystem Gewässer enorm! Und diese Belastungen lassen sich meist ganz eindeutig auf mißbräuchliche Anwendungen im privaten oder gewerblichen Bereich zurückführen. Und das ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein klares Vergehen gegen das Pflanzenschutzgesetz und bußgeldbewehrt. Deshalb werden ab 2012 auch verstärkt Kontrollen in Wohn- und Gewerbegebieten durchgeführt.


Fugen können auch schön grün sein!

Eine Möglichkeit ist die Veränderung der Sichtweise: müssen die Fugen wirklich immer und zu jeder Zeit 100%-ig frei von Bewuchs sein? Man kann auch aus der Not eine Tugend machen und lässt die Fugen strategisch eingrünen! Hierzu eignen sich spezielle trockenheitsresistente und trittfeste Gräsermischungen. Eine ganz besondere Note für Pflaster mit breiter Fuge bieten trittfeste Kräuter wie der gewöhnliche Thymian, das Mastkraut oder der scharfe Mauerpfeffer.
Wem das zu viel des Grünen ist, der greift zu Fugenkratzer/-bürste oder thermischen Abflammgeräten. Ganz wichtig ist das regelmässige Kehren der gepflasterten Wege, denn je mehr Erde in der Fuge, desto besser die Bedingungen für den Bewuchs.


Wie kommt die Birne in die Flasche?
So kommt man zu einem individuellen Geschenk aus dem eigenen Garten

Wer kennt sie nicht, die Flasche mit Obstbrand, in der eine ganze Frucht schwimmt. Als Geschenk ist das ein echter Hingucker, und man kann genüsslich darüber diskutieren, wie denn die Birne in die Flasche gekommen ist. Dabei ist das ganze kein Zaubertrick. Doch wie kommt sie nun rein, die Birne? So können Sie auch in Ihrem Garten "Flaschenbirnen" wachsen: Man benötigt dazu lediglich einige bauchige Flaschen mit möglichst kurzem Hals sowie einen Birnbaum, gut geeignet ist die Sorte Williams Christ. Je nach Vegetationsverlauf Mitte - Ende Mai sollten geeignete und vor allem gesunde Früchte ausgewählt werden. Dazu entfernt man alle Blätter um die Birne herum, denn die sollen ja nicht mit in die Flasche. Anschliessend werden die Flaschen an einem Draht oder einer Kordel kopfüber (damit kein Regenwasser reinlaufen kann) mit der Öffnung nach unten gehängt und über die Birne gestülpt. Bis zu einer Fruchtgröße von etwa 20 mm Durchmesser funktioniert das problemlos. Normalerweise gedeihen die Früchte in ihrem kleinen „Gewächshaus“ sehr gut, so daß Anfang September geerntet werden kann. Damit der Stiel nicht aus der Frucht herausreißt, sollte man ihn mit einer kleinen Schere abschneiden. Bevor die Flaschen mit köstlichem Birnenbrand gefüllt werden, sollten sie mit warmem Wasser ausgespült werden. Fertig ist das individuelle Geschenk mit der persönlichen Note, dekoriert noch zusätzlich mit einem selbstgestalteten Etikett. Übrigens, das Gleiche gelingt auch mit Äpfeln!


Vorbeugende Pflanzenschutzmaßnahmen:

Nach der Blüte lohnt es sich, bei den Obstgehölzen ruhig einmal genauer hinzuschauen. Denn je nach Jahr und Witterungsverlauf treten Krankheiten und Schädlinge auf, die man bei rechtzeitigem entdecken recht gut im Zaum halten kann:
  • Kernobst Apfel, Birne, Quitte: ab jetzt sollte man verstärkt auf Feuerbrandbefall achten (spazierförmige Krümmung der Triebspitzen, evtl. bernsteinfarbene und stecknadelkopfgroße Schleimtropfen). Die Wirtspflanzen im näheren Umfeld wie Zwergmispel (Cotoneaster), Feuerdorn (Pyracantha), Weißdorn (Crataegus) und Vogelbeere (Sorbus) beobachtet man gleich mit. Bei Befall schneidet man beim Kernobst früh ins gesunde Holz zurück, befallene Zierpflanzen rodet man komplett und entsorgt sie über den Hausmüll.
  • Monilia bei Steinobst: Infizierte Blüten und Triebspitzen bei Aprikosen, Pfirsichen und insbesondere Sauerkirschen möglichst frühzeitig herausschneiden. Dadurch kann der Infektionsdruck deutlich reduziert werden und man kann die Kulturen ohne eine Fungizidbehandlung erhalten.
  • Mehltaubefallene Stachelbeertriebspitzen entfernt man durch Rückschnitt ins gesunde Holz.
  • Beim Auftreten von Nacktschnecken in Erdbeeren sammelt man diese am einfachsten regelmäßig ab. Darüber hinaus stehen im Handel verschiedene Schneckenkorn-Präparate zur Verfügung (Packungsbeilage + Dosierung beachten).
  • Aufhängen von Pheromonfallen zur Erfassung des Apfelwicklerbefalls. Hiermit kann der optimale Behandlungstermin mit für den Garten zugelassenen Präparaten ermittelt werden. Beachten Sie: Pheromonfallen eignen sich nicht für die Bekämpfung!



Pflanzung Tafeltrauben

Tafeltrauben gedeihen gut im Garten an warmen, windgeschützten Plätzen. Genauso so gut können sie an die Süd- oder Südwestseite des Hauses gepflanzt werden. Mit Hilfe von speziellen Rankhilfen und Spalieren kann man einem Haus ein so wunderbares grünes Kleid verpassen. Je nach Region benutzt man angepasste Materialien aus Holz, Drahtseil oder Draht (Gute Informationen über Spaliere: www.fassadengruen.de). Die Ansprüche an den Boden sind gering, zum besseren Anwachsen kann die Pflanzerde mit Kompost im Verhältnis 2 : 1 vermischt werden, gegebenenfalls können auch 20 g eines Depotdüngers zugegeben werden. Gepflanzt wird traditionell erst, nachdem die Frostgefahr gebannt ist, also Mitte Mai. Bei früheren Terminen schützt man die Veredlungsstelle durch abdecken mit Boden vor Frost. Beim Pflanzen an die Hauswand sollte man etwa 15 cm Abstand halten und die Rebe mit der Veredlungsstelle leicht schräg zur Wand setzen. Grundsätzlich pflanzt man Reben so tief, dass die Veredlungsstelle gerade mal 3-5 cm über dem Boden herausschaut. Wichtig: den kräftigsten Trieb direkt mehrfach am Pflanzstab oder Spalier anbinden, damit er nicht abbricht, die übrigen werden im Juni ausgebrochen.


Sorten

Der Handel bietet Tafeltrauben für den Garten meistens mit Wurzelballen im Topf an, in den Rebschulen werden sie aber auch wurzelnackt gehandelt. Darauf sollten Sie achten:
  • nur robuste, wenig anfällige oder pilzwiderstandsfähige Sorten!
  • Nur lockerbeerige Tafeltraubensorten pflanzen und keine Weintrauben
  • Die Pflanzen müssen zum Schutz vor der Reblaus zwingend auf resistente Amerikanerreben veredelt sein. Besonders in Weinbaugebieten sollten deshalb keine Experimente mit eigenvermehrten Pflanzen erfolgen.
  • Hell: Birstaler Muscat, Palatina u. a.
  • Blau: Muscat Bleu u. a.

Die Brennessel – ein typische „Unkraut“

Die meisten Gartenliebhaber werden bei der Einordnung der gemeinen Brennessel (Urtica dioica) sicher mehrheitlich zu „Unkraut“ tendieren, dass schleunigst aus dem Garten muss! Bei intensiverer Betrachtung zeigt sich die Pflanze jedoch in einem völlig anderen Licht.
Schon Hildegard von Bingen (1098-1179) beschrieb sie als komplette Heilpflanze von der Wurzel- bis zur Triebspitze. Besonders jetzt im Frühjahr sind die jungen Blätter aufgrund ihres Mineralstoff- und Vitaminhaltes sehr beliebt als Spinat, Salatbeigabe oder erfrischende Tees. Übrigens, nicht der viel zitierte Spinat liefert viel Eisen, sondern die Bren­nessel! Darüber hinaus schätzen rund 50 Schmetterlingsarten wie der Admiral, das Tagpfauenauge oder der kleine Fuchs die Brennessel als besondere Futterpflanzen. Und was dann noch übrig bleibt, kann man ganz schnell in ein in ein stärkendes Elixier für den Gemüsegarten verwandeln: einfach 1 kg grüne Pflanzen auf 10 l Wasser geben, 1-2 Tage ziehen lassen Kaltwasserauszug) oder mehrere Tage vergären lassen, dann gießen oder verdünnt zur Stärkung und Insektenabwehr spritzen!
Und das alles kann man ganz kostenlos im eigenen Garten kultivieren! Vielleicht sollte man doch einmal so ein „Unkraut“ stehen lassen? Es muss ja nicht im Vorgarten sein, und natürlich begrenzt, damit sie sich nicht ausbreitet im Garten…


Arbeiten im Obstgarten
  • Bei Erdbeeren in späten Lagen kann nach der Blüte noch Stroh zwischen den Reihen eingelegt werden, um ein Verschmutzen der Früchte und einen Befall mit bodenbürtigen Pilzen zu verhindern.
  • Zwetschen: bei sehr starkem Fruchtansatz überzählige Früchte mit der Hand ausdünnen. Als Faustzahl sollten max. 25 Früchte pro lfm Fruchtholz verbleiben.
  • Neupflanzungen: Insbesondere spät im Frühjahr gepflanzte Gehölze regelmäßig wässern, schlecht austreibende Pflanzen bei Bedarf zurückschneiden.
  • Formierung von Jungbäumen: ungünstig oder steilstehende Triebe im Kopfbereich entweder pinzieren (Triebspitze zwischen Daumen und Zeigefinger abdrehen) oder komplett entfernen.
  • Frostempfindliche Arten wie Tafeltrauben oder Kiwi in späten Lagen nach den Eisheiligen pflanzen. Lässt man sie an einem Wandspalier wachsen, hat man gleichzeitig eine schöne Fassadenbegrünung.





werner.ollig@dlr.rlp.de     www.Gartenakademie.rlp.de drucken