Der Beiß oder die Herbstmilbe

Zahlreiche kleine Stiche oder gar Pusteln, oft sogar an peinlichen Stellen, die stark jucken, brennen oder sich entzünden, sind die Reaktionen des menschlichen Körpers auf die Nahrungssuche einer kleinen Milbenlarve. Da der Übeltäter meist schon längst wieder seinen Wirt verlassen hat, wenn es zu jucken anfängt, haben die Beschwerden für viele Menschen etwas Rätselhaftes und Unerklärliches. Hier ist sicher auch der Ursprung der Bezeichnung 'der Beiß' für die Samtmilbe Neotrombicula autumnalis zu suchen. Andere deutsche Namen sind Herbstmilbe oder Erntemilbe. Diese Plage betrifft zwar nicht die Pflanzen im Garten aber um so mehr den Gärtner. Medizinische Abwehrmaßnahmen können nur von einem Arzt verordnet werden, der bei stärkerem Befall aufgesucht werden sollte.

Der Verursacher ist die nur 0,2 bis 0,35 mm lange, gelbe bis blassrote Larve dieser Milbe. Als Milbenlarven werden die ersten, 6-beinigen Jugendstadien bezeichnet. Nur diese Stadien belästigen Wirbeltiere und saugen Blut oder Lymphe. Hauptsächlich Kleinsäuger wie Mäuse und Insektenfresser, aber auch Vögel und bisweilen Amphibien sind die Wirte dieser Parasiten. Der Mensch ist nur selten betroffen. Die weiteren Entwicklungsstadien und die erwachsenen Milben (1,7 bis 2,2 mm) piesacken uns nicht,sondern saugen meist an Insekten oder seltener an Pflanzen. Im Frühsommer werden die Eier auf die Erdoberfläche abgelegt und und meist ab Juli schlüpfen die Larven. Diese erklimmen Pflanzen, meist Kräuter oder Gräser und warten dort lange Zeit auf Erschütterungen durch vorbeistreifende Wirbeltiere. Dann lassen sich die Milben fallen und gelangen durch das Fell oder die Kleidung schließlich auf die Haut. Dort suchen sie feuchte und dünnhäutige Bereiche auf, z. B. unter den Achseln, in den Kniekehlen oder im Schritt. Gürtel oder Gummizüge behindern die Milben bei ihrer Nahrungssuche und so setzen sie ihre Stiche oft in die Nähe von solchen Einengungen. Die Mundwerkzeuge werden dort in die Haut eingebohrt, reichen aber beim Menschen nicht bis an Blut oder Lymphbahnen heran. Die Milbe zerdrückt nun einen zellauflösenden Speichel in die Wunde . Nach einer Weile saugt sie das Gemisch von Speichel und aufgelösten Wirtszellen ein. Der Wirbelkörper reagiert darauf mit einer Abkapselung dieser Stelle. Mehrfach drückt die Milbe neuen Speichel hinein und der Körper wehrt sich erneut. Mit der Zeit entsteht so eine kleine Höhle, die auch auf ein peripheres Kapillargefäß treffen kann. Dann gelangt der Speichel sogar in die Blutbahn und die Milbe kann sich mit Körperflüssigkeit voll saugen. Sie schwillt dann auf die doppelte Größe an. Der Mensch hat für die kleine Milbe eine zu dicke Haut, so dass sie meist nicht lange genug saugen kann, um ausreichend Nahrung zu bekommen. Die satte Milbe lässt sich fallen. Nach einer Ruhepause und mehreren Häutungen zu Nymphenstadien werden die Tiere schließlich erwachsen. Der Speichel löst in der Haut durch Abwehrreaktionen das Jucken und Brennen aus, und dadurch erst bemerkt der befallene Mensch die Anwesenheit der Parasiten. Die einzelnen Menschen reagieren auf den Milbenspeichel unterschiedlich stark. Einige bemerken gar nicht, dass sie Wirtstier waren und andere haben bis zu 14 Tagen rote Flecken mit blasigen Pusteln. Oft werden diese roten Stellen auch für Flohstiche gehalten.

Die Herbstmilbe ist herdartig in weiten Bereichen von Mitteleuropa zu finden. Feuchte, warme Gebiete werden bevorzugt. Das Auftreten ist von Jahr zu Jahr und Ort zu Ort verschieden. Im Rhein-Main-Gebiet waren die Jahre 1950 bis 1952 und 1974 bis 1975 durch starkes Auftreten gekennzeichnet. In den letzten beiden Jahren gab es in Rheinhessen viele Beschwerden über die Herbstmilben. Neu war, dass auch die Bewohner des Hunsrück sich über den Beiß beklagten. Weshalb die Tiere häufiger werden, weiß man mit letzter Sicherheit noch nicht; doch warme Jahre, der Zug zum Naturgarten mit höherem Gras und Komposthaufen gibt mehr Igeln und Mäusen einen Lebensraum. Diese sorgen dann für eine stärkere Vermehrung der parasitischen Milben. Auch geschlossene Sichtschutzhecken und viele Gehölze im Garten fördern die Milben, da der Boden nicht so schnell abtrocknet.

Während sich früher die Landwirte und besonders die Obstbauern von Juli bis Oktober über Stiche beklagten, findet man die Tiere immer häufiger auch in den Gärten am Stadtrand, so dass sich die Besitzer nicht mehr in den eigenen Garten trauen. In Europa sind keine Krankheiten, die von Herbstmilben übertragen werden, bekannt, aber sehr lästig sind die Milben dennoch.


Abwehrmaßnahmen

Viele Gartenbesitzer fühlen sich durch diesen „Lästling“ zunehmend in der Gartennutzung eingschränkt, und die erste Frage lautet immer: was kann man dagegen tun?

Mögliche Maßnahmen sind:

· Vor Benutzung Rasen kurz mähen, Mähgut (mit Milben) komplett entfernen ( nicht kompostieren!)
· Vor Benutzung Rasen gründlich wässern
· Einreiben mit Insektenabwehrmitteln
· Feste Schuhe, Strümpfe, geschlossene Kleidung benutzen

Einige Hersteller empfehlen den Einsatz von Rapsölpräparaten (Celaflor), Spezial Spritzmittel Blattanex (Bayer) oder Zecken- und Grasmilben Konzentrat (Neudorff) . Auch der Einsatz von Neem-Präparaten wird diskutiert. Bei den genannten Präparaten kann der Befall zwar kurzfristig reduziert werden, eine dauerhafte Bekämpfung ist aber nicht möglich. Ein Insektizid-Einsatz würde auch nur flächendeckend sinnvoll sein, d. h. mehrere Gartenbesitzer müssten ihre Gärten behandeln. Hierzu liegen keine Erfahrungen vor.

Die Milben sind auf den Pflanzen so gut wie nicht zu sehen. Zieht man ein weißes Tuch, z. B. an einem Besen befestigt, flach über den Rasen, kann man die kleinen Plagegeister auf dem weißen Untergrund umherlaufen sehen.

Das unangenehme Jucken kann man mit Salben, die auch gegen die Folgen von Mückenstichen benutzt werden, verringern. Auch das Betupfen mit Alkohol oder Medizinalbenzin hilft. Durch stärkeres Kratzen gelangt oft Schmutz in die Haut und es bilden sich Entzündungen.





Frank.Burghause@dlr.rlp.de     www.gartenakademie.rlp.de drucken