Halbschatten


Frage:
Bei Gemüse und Blumen geht oft die Rede von Halbschatten. Geben sie uns bitte eine Erklärung über Halbschatten.

Antwort:
Die Einteilung von Pflanzen für Standorte in "Sonne", "Halbschatten" und "Schatten" beschreibt deren Lichtansprüche.
Dabei ist "sonnig" noch am eindeutigsten: Der Standort hat den ganzen Tag Sonne, weder Gebäude noch Bäume werfen einen Schatten auf diesen Platz. Solche Stellen findet man z. B. in der Mitte einer großen Wiese oder auf der Südseite eines Hauses, soweit hier keine Nachbargebäude beschatten.
Das Gegenteil davon ist "schattig". Hier wird die Lichteinstrahlung durch Hindernisse (Gebäude, Gehölze usw.), die sich zwischen dem Sonnenlicht und dem Boden befinden, verringert. Je nach Größe und Art dieser Hindernisse oder Gegenstände, die den Schatten werfen, ist der Schatten unterschiedlich dunkel. So spricht man z. B. vom "lichten Schatten", den locker wachsende oder hoch aufgeasteten Laubbäume, wie z. B. die Birke, werfen. Hier fällt ein Teil des Sonnenlichts durch die Blätter und der Schatten erscheint nicht schwarz, wie im Nadelwald, sondern eher grünlich. "Vollschatten" trifft man unter dichten immergrünen Gehölzen sowie unter laubabwerfenden Bäumen mit breiten und sich überdeckenden Blättern an. Mauern und Gebäude blockieren ebenfalls das Licht stark. Diesen dunklen Schatten bezeichnet man als "Schlagschatten". An den Nordseite von hohen Gebäuden oder Mauern findet man oft Stellen, die zwar den ganzen Tag über im Schatten liegen, aber zum Himmel hin offen sind und dadurch noch ein gewisses Maß an Helligkeit zulassen. Hier spricht man dann von "offenem Schatten".
Diese unterschiedlich tiefen Schatten sind jedoch nicht mit dem Begriff Halbschatten zu verwechseln! Im Gegensatz zu diesen sich ganztägig im Schatten befindlichen Gartenteilen bezeichnet der Begriff "halbschattig" (=halbsonnig) eine völlig andere Situation. Dieser Platz bekommt an einem Teil des Tages z.B. Morgen- oder Abendsonne, während er über den Rest des Tages Vollschatten hat. Halbschatten herrscht z.B. an der Ost- bzw. Westseite einer Mauer bzw. an einer in Nord-Süd-Richtung gepflanzten höheren Hecke.
Obwohl in Gartenkatalogen und -büchern meist die Eingruppierung in "Sonne", "Halbschatten" und "Schatten" vorgenommen wird, sind die Übergänge in der Praxis oft fließend. So verändert sich z. B. der Schattenwurf eines Gebäudes im Laufe des Jahres mit der Höhe des Sonnenstandes: Lag der Gartenteich im Frühjahr noch voll in der Sonne, fällt vieleicht im Sommer am Nachmittag der Hausschatten darauf. Hier ist durch Beobachtung zu klären, ob es sich eher um einen sonnigen oder um einen halbschattigen Standort handelt. Oft hat man auch ein Beet, das fast den ganzen Tag Sonne hat, nur um die Mittagszeit wird es kurz von Nachbars Baum beschattet. Dies ist dann natürlich nicht als halbschattig sondern als sonnig anzusehen. Umgekehrt reicht auch eine Stunde Morgensonne nicht aus, den Standort als halbschattig zu bezeichnen. Pflanzen für schattige Standorte fühlen sich hier wohler.





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