Der Erdbeerbaum (Arbutus unedo)

Wachsen Erdbeeren auf Bäumen? Wer schon einmal auf Korsika, in Portugal oder auf Sardinien war, hat es vielleicht schon gesehen: Der Erdbeerbaum ist nicht nur ein dekorativer Exot für unsere Gärten, der ab Herbst mit weißen, glockenförmigen Blütchen das Auge erfreut, auch die erdbeergleichen Früchte sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch essbar. Aus ihnen wird im Mittelmeerraum Hochprozentiges destilliert, der Medronho. Aber auch frisch genascht oder zu Konfitüre verarbeitet, sind sie eine kleine Delikatesse.

In wintermilden und klimatisch begünstigten Regionen ist ein Anbau möglich. Aufgrund ihrer Frosttoleranz sind die Heidekrautgewächse, dazu zählt der Erdbeerbaum, nicht nur als Topf- und Wintergartenpflanzen sondern auch ausgepflanzt für halbschattige bis sonnige Gartenpartien auf durchlässigen, nicht zu Staunässe neigenden Böden geeignet, Als Standort wählt man eine windgeschützte Stelle, am besten vor einer Wand. Die Pflanze bevorzugt kalkarmen Boden. Die Standortvarianz ist sehr hoch, sogar schattige Lagen werden toleriert. Jedoch fällt an sonnigen Standorten die Blüte reicher aus. Die Wuchsform kann strauch- oder baumähnlich sein. Bei besonders kalten Winter ist Anmulchen zu empfehlen, weil Fröste ab ca. -13°C zur Entblätterung und Schäden am ungeschützten Holz führen. Auch ist ein Abdecken mit Vlies empfehlenswert.
Mit einer Wuchshöhe von 2 bis 3, selten bis zu 5 m kann der Erdbeerbaum eine stattliche Höhe erreichen.
Die Früchte des Winterblühers reifen so langsam, dass rote Früchte und Blüten gleichzeitig am Baum hängen. Die kugeligen Früchte werden bis zu 2,5 cm groß, sind anfangs grün und färben sich mit zunehmender Reife orange bis rot und erinnern von Farbe an die Erdbeerfrucht, daher rührt auch der deutsche Name der Pflanze. Im Innern sind die Früchte gelborange und von fleischiger und bei zunehmender Reife von mehliger Konsistenz. Die Zweige sind dicht beblättert; die Blätter stehen wechselständig, sind eiförmig bis 11 cm lang und haben einen gesägten Rand. Die Rinde ist anfangs dunkelrot, später graubraun und rissig.

Der Erdbeerbaum hat keinen hohen Pflegeanspruch. Im Sommer sollte er stets leicht feucht gehalten werden. Staunässe ist unbedingt zu vermeiden. Kurze Trockenheit schadet selten, die Blätter sind in der Lage, dies auszugleichen. Beim Düngen sollte Kompost eingesetzt werden, der im Frühjahr und zu Beginn des Sommers leicht in die umgebende Erde eingearbeitet wird. Alternativ können auch handelsübliche organische Dünger eingesetzt werden; jedenfalls ist der Nährstoffbedarf bescheiden.

Als bester Zeitpunkt für einen Schnitt hat sich Ende des Winters herausgestellt. Bevor die Pflanzen neu austreiben und keine Fruchtansätze tragen, sollten sie reduziert werden. Zweige mit Früchten werden nach der Ernte im Herbst geschnitten. Auch ist ein Sommerschnitt möglich, weil Erdbeerbäume sehr gut schnittverträglich sind.

Als Schädlinge wurden bislang nur Blattläuse beobachtet, die im Frühjahr an den frischen Triebspitzen saugen. Eine Spiritus-Schmierseifen-Lösung kann hier für Abhilfe sorgen.
©Autor : Klaus Rettig, 67435 Neustadt
Ende Oktober in voller Pracht:
Erdbeerbaum in einem Neustadter Hausgarten (ca. 1,40 m hoch)
Dekorative und wohlschmeckende Früchte:
Hier in unterschiedlichem Reifezustand.





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