Reifezeitbestimmung Obst

Damit man möglichst lange Spaß an seinen Früchten hat, sollte man einige Punkte bei der Ernte bedenken. Davon ausgehend, dass die Früchte gesund sind und während des Reifens am Baum auch das eine oder andere Mal mit Kalziumprodukten (z. B. Wuxal, Düngal, Kalziumchlorid etc.) behandelt wurden, kann man von einer akzeptablen Lagerbarkeit ausgehen. Von größter Bedeutung sind dann 2 Punkte: zum einen der richtige Erntezeitpunkt und zum anderen die Lagerbedingungen. Zu früh geerntet schmecken die Früchte grasig (nach Stärke), haben kein Aroma und welken bei der Lagerung. Zu spät geerntete Früchte werden schnell weich, mürbe und fettig (z. B. Jonagold). Wie aber bestimmt man den richtigen Erntezeitpunkt?

Die Ableitung des Reifezustandes nach der Farbe der Apfelkerne (helle Kerne = unreif, braune Kerne = reif) ist sehr ungenau. Je nach Jahr und Sorte kann es hier zu Fehleinschätzungen kommen. Ebenso ungenau ist die Beurteilung des Reifezustandes nach der Fruchtfarbe. So kann die Reife in manchen Jahren erfahrungsgemäß deutlich vor einer entsprechenden Fruchtausfärbung liegen Wartet man in solchen Jahren auf eine gute Ausfärbung, so sind die Früchte dann überreif und haben nur noch ein geringes Lagerpotential. Bedenken Sie: ab dem Zeitpunkt, wo die Frucht vom Baum getrennt wird, läuft die innere (abbauende) Uhr der Frucht, d. h. sie veratmet Kohlehydrate.

Wer den Reifezustand exakt prüfen will, der kann sich auch im Garten einer wissenschaftlichen Methoden bedienen, die auch im Erwerbsobstbau Anwendung findet: dem Jod-Stärke-Test. Mit Hilfe einer Lugol`schen Lösung (bekommt man in der Apotheke oder Drogerie), die auf die Schnittfläche eines quer geteilten Apfels gesprüht oder gepinselt wird, kann man den Reifegrad sehr gut bestimmen. Denn die Jodkalilösung färbt die vorhandene Stärke in der Frucht schwarz an, das bedeutet:

  • je dunkler die Schnittfläche, desto mehr Stärke ist vorhanden, d. h. die Frucht ist noch unreif
  • je heller die Schnittfläche, desto mehr Stärke wurde in Zucker umgewandelt, d. h. die Frucht ist reif.

Anhand der Stärkeabbaustufen 1-10 kann man die Reife des Apfels sehr gut verfolgen. Die meisten Apfelsorten sind pflückreif bei einer Stärkeabbaustufe zwischen 3 – 5.

Abb. 1: Farbschablone für die Reifezeitmessung

Abb. 2: Durchführung des Reifetests mit der Lugol`schen Lösung: Der geprüfte Apfel ist schon überreif (Stärke-Abbaustufe 9-10).

Doch wie so oft ist die einfachste und preiswerteste Methode zur Reifebestimmung immer noch das Probieren. Beißen Sie also im wahrsten Sinne einfach in den – manchmal noch sauren - Apfel rein und erfassen mit Ihren Sinnen die Festigkeit, das Stärke/Zuckerverhältnis, Geschmack und Aroma!

Bezüglich der Lagerdauer gilt folgende Regel:

  • lange Lagerung = frühzeitige Ernte, d. h. noch reichlich Stärke vorhanden, fest, u. U. noch nicht ganz sortentypisch ausgefärbt
  • kurze Lagerung bzw. Direktverzehr = spätere Ernte, d. h. vollreif, gut ausgefärbt, hoher Zuckeranteil, ausgeprägtes Aroma, etwas weichere Frucht.

Der Erntetermin kann also zwischen den beiden Verwendungszwecken 8-14 Tage und mehr differieren.

Problematisch ist in vielen Haushalten eine vernünftige Lagerhaltung des eigenen Obstes. Denn wer verfügt schon über den viel zitierten kühlen Keller mit gestampftem Lehmboden? Von den Anforderungen lassen sich die optimalen Lagerbedingungen auf einen kurzen Nenner bringen: So kühl (2-5 °C) und feucht (ca. 80 % Luftfeuchte) wie möglich lagern. Die Luftfeuchtigkeit in einem geeigneten Raum kann man beispielsweise erhöhen, in dem man einen Eimer Wasser auf den Boden des Lagerraumes ausleert, was noch zusätzlich etwas an Verdunstungskälte bringt. Höhere Temperaturen verkürzen die Lagerzeit, bei zu geringer Luftfeuchte welken die Früchte schneller.



eva.morgenstern@dlr.rlp.de     www.gartenakademie.rlp.de drucken nach oben  zurück