Pseudo-Bonsai - Woran ist ein guter Zwergbaum zu erkennen?
| Immer wieder findet man in Gärtnereien insbesondere aber in den Pflanzenabteilungen von Bau- und Gartenmärkten und selbst bei Discountern Gewächse, bei denen auf einem Etikett der Begriff Bonsai verwendet wird. Zum Teil werden für diese Pflanzen 10,00 bis 20,00 Euro verlangt. Dabei handelt es sich regelmäßig um völlig ungestaltete Baumschulpflanzen, die, mitunter sogar mit einer Plombe versehen, dem unkundigen Käufer offeriert werden. Besonders häufig sind dabei Feigen (Ficus retusa), Ulmen und Zypressenarten anzutreffen, die einfach in einen einer Bonsaischale ähnlich aussehenden Topf gesteckt wurden. Manche Händler machen sich sogar nicht die Mühe, die Abflusslöcher durchzubohren. Mit der sicheren Gewähr für Staunässe werden die Pflanzen innerhalb kurzer Zeit geschädigt sein und eingehen. Ein Vorurteil findet in diesem Fall seine Bestätigung: Bonsai sind äußerst schwer zu pflegen. | |
Schlechte Qualität aufgrund von zu großer Schnittstelle |
Auf was ist nun beim Kauf eines Bonsai zu achten? In jedem Fall sollte die Erde wasserdurchlässig sein. Viele Bonsai werden heute aus Billig-Lohn-Ländern importiert, sie kommen meistens aus der VR China aber auch aus Vietnam, Thailand oder Südkorea. In aller Regel werden sie mit dem Schiff nach Europa transportiert. Dabei sind oft bis zu sechs Wochen unter Deck. Damit sie die lange Überfahrt überstehen, werden sie fast ausschließlich in Lehmerde gepflanzt, die lange die Feuchtigkeit speichert. In Europa angekommen, sollten die Zwergbäume in geeignete Bonsaierde umgepflanzt werden. Dies ist zeit- und lohnaufwändig; die meisten Importeure bzw. Händler verzichten deshalb auf das Umtopfen. Die Bonsai gelangen somit in einer völlig ungeeigneten Erde in den Handel. Die Lehmerde wird jedenfalls noch mehr verklumpen und bei unzureichender Wässerung hart wie Beton werden. Es dürfte hier jetzt schon klar sein, dass die Wurzeln in derartigen Fällen nicht mehr in der Lage sind, genügend Nährstoffe und Feuchtigkeit aufzunehmen. Es empfiehlt sich deshalb beim Kauf, den Baum aus der Schale nehmen zu lassen. Am kompakten Ballen, der gut durchwurzelt sein sollte, lässt sich feststellen, ob die Erde den Anforderungen entspricht; ggf. ist sofortiges Umtopfen in Bonsaierde notwendig, wobei der Lehm weitestgehend ausgespült werden sollte.
Einen guten Bonsai erkennt man weiterhin daran, dass keine starken Schnittstellen das Gesamtbild beeinträchtigen. Hierzu muss man wissen, dass in den Herkunftsländern die Bonsai im Freiland als Massenware gezogen werden. Bei Hunderttausenden von Pflanzen ist es sicherlich nicht möglich, ihnen einen individuellen Schnitt zukommen zu lassen. Vielmehr wird nach der "Rasenmähermethode" lediglich eine grobe Vorgestaltung vorgenommen. Beim Kauf gilt es, die Bäume zu selektieren, die von der vorgenannten Methode weitestgehend verschont blieben.
Auch sollte darauf geachtet werden, ob der Wurzelansatz (nebari) zu einem harmonischen, baumtypischen Gesamtbild führt. Wünschenswert ist es, dass sich das nebari gleichmäßig am Stamm verteilt. Idealerweise sollten die Wurzeln am Stamm flach gestaltet sein und dann erst in die Erde dringen. Oftmals als Bonsai angebotene Pflanzen, die stelzenartig in den Topf eingesetzt wurden, entsprechen nicht dem natürlichen Vorbild.
Kontakt + Informationen: Klaus Rettig - Mr. Bonsai - , Kleinfeldstr. 11, 67435 Neustadt/Wstr., Tel./Fax: 06327/4402 |