Pflanzenpracht auch für trockene Standorte


Pflanzenpracht auch auf trockenen Standorten

Dass sich der Pflanzenbewuchs dem Umfeld entsprechend anpasst, fällt den meisten Gartenbesitzern vor allem bei unerwünschten Veränderungen auf: So breiten sich in heißen, trockenen Sommern trockenheitsliebende Gräser wie Hirsearten oder Kräuter wie Schafgabe im Rasen aus oder unter der größer werdenden Baumkrone wird das Gras immer lichter, das Moos dafür immer dichter. Diese natürliche Entwicklung kann man aber auch positiv nutzen: Wählt man Pflanzen dem Standort entsprechend aus, können sie sich dann sogar unter widrigen Umständen noch optimal entwickeln. Im Hinblick auf die sich verändernden Bedingungen des Klimas stellen uns besonders trockene Standorte in sonniger Lage vor Herausforderungen. Neben sonnigen Freiflächen im Garten finden sich solche „Problemstandorte“ auch unter Balkonen oder Dachvorsprüngen, aber auch vor modernen Bauten mit großen Glasfronten, deren Abstrahlung die davor liegenden Pflanzenflächen erhitzen. Die Verträglichkeit von intensiver Sonneneinstrahlung, Hitzeperioden und damit verbundener Trockenheit sind Kriterien für die Pflanzenverwendung an solchen Standorten. Anstatt permanent gegen die Trockenheit „anzugießen“ kann man das Wässern dann in der Regel auf das Pflanzjahr beschränken und trotzdem eine dekorative Bepflanzung erreichen. Selbst eine längere Urlaubszeit im Hochsommer ist dann kein Problem mehr!

Anpassungsstrategien, die man Pflanzen ansieht
Extreme Standorte haben Pflanzen hervorgebracht, die sich auf unterschiedliche Weise an ihre jeweiligen Umweltbedingungen angepasst und dadurch ihre Nische gefunden haben. Als Anpassung an die Trockenheit findet man häufig Blattformen und -färbungen, die die Verdunstung verringern. Dies sind z.B. schmale Blattformen, graugrüne, hartlaubige bis ledrige oder behaarte Blätter. Auch die Ausbildung von dickfleischigen Blättern und Stängeln, in denen Wasser gespeichert werden kann (Sukkulenten) ist eine weitere Strategie, die das Überleben in Trockenzeiten sichert.
Bei zwiebel-, knollen- und rhizombildenden Pflanzen liegen die Wasserspeicher in diesen Speicherorganen. Pflanzen, die mittels solcher Verdickungen Wasser speichern können dies bei Bedarf an Spross, Blätter, Blüten und Früchte abgeben und überstehen daher längere „Durststrecken“. Doch es gibt auch geeignete Pflanzen, die keine dieser typischen Anpassungserscheinungen haben.

Standort und Pflege
Da trockenheitsliebende Pflanzen sich auf diese „Nische“ spezialisiert haben, brauchen sie unbedingt einen trockenen, vollsonnigen Standort mit gutem Wasserabzug. Ideal sind sandige bis kiesige Böden. In Frage kommen aber auch der obere Bereich von Hanglagen, von wo das Wasser gut nach unten abläuft sowie der Platz unter dem Dachvorsprung an der Ge-bäudesüdseite. Ungeeignet dagegen sind alle Böden und Standorte, an denen sich Wasser sammeln und Staunässe entstehen kann. Auf Lehmböden halten sich diese Pflanzen daher nicht, weil in regenreichen Perioden die Wurzeln faulen. Ist der Boden von Natur aus nicht optimal durchlässig, muss durch Sand und/oder Splitt die Durchlässigkeit verbessert werden. Je nach vorhandenem Sandanteil im Boden wird die oberste Bodenschicht von 30 cm mit bis zu 50% Sand (=ca. 15 cm Sandauftrag) abgemagert, der am besten eingefräst wird. Bei lehmigen Böden kann man versuchen, mit zusätzlichem Kies die Durchlässigkeit zu erhöhen. Bei solch schweren Böden sollte man aber zusätzlich die Geländeform (Hang) nutzen bzw. den Beetaufbau (Hügel) so gestalten, dass die Gefahr von Staunässe verringert wird. Der pH-Wert des Bodens hat ebenfalls Einfluss auf die Standortbedingungen und damit auf die Pflanzenauswahl. Besonders kalkhaltige Verhältnisse in Verbindung mit Trockenheit sind geeignet für Pflanzengemeinschaften mit Steppenheidecharakter, nährstoffarme Böden mit niedrigem pH-Wert dagegen für solche mit Heidecharakter.
Stauden für sonnige Trockenstandorte vertragen keinen Schatten. Auch benachbarte höhere Stauden können zu viel Licht wegnehmen. Dies sollte bei der Pflanzung berücksichtigt bzw. gegebenenfalls durch Umpflanzung behoben werden.
In der Regel werden die Stauden einmal im Jahr, im Herbst (nur Stauden ohne dekorativen Herbst- und Winteraspekt) oder besser im Frühjahr (alle), zurückgeschnitten. Ein zusätzlicher Rückschnitt ist nur erforderlich, wenn eine Selbstaussaat verhindert werden soll (vor der Samenreife) oder ein zweiter Blütenflor erreicht werden kann (z.B. Steppen-Salbei, Katzenminze).
Normalerweise brauchen Trockenbeete nicht gegossen zu werden. Lediglich in der Anwachsphase, wenn die Pflanzen noch nicht ausreichend eingewurzelt sind, muss man wässern. Nur an absolut trockenen Standorten, an denen nie Regen hinkommt, wie z.B. unter Dachüberständen oder Balkonen muss in regelmäßigen Abständen gegossen werden.

Auswahl für trockene und sonnige Standorte:
In Staudengärtnereien aber auch im Versandhandel werden bereits Zusammenstellungen für sonnige, trockene Standorte angeboten. Dazu zählen z.B. unter anderem Weinheimer Präriemorgen und Silbersommer. Steppenheidebeete haben im Frühjahr und Herbst ihre Blütenhöhepunkte, denn dann ist genügend Feuchtigkeit vorhanden. Die trockenen Sommermonate überstehen viele dieser Pflanzen (z.B. Zwiebelgewächse), in dem sie oberirdisch vertrocknen. Daher ist eine gute Mischung wichtig, die sicherstellt, dass auch in dieser Zeit das Beet attraktiv aussieht. Dazu tragen z.B. Ziergräser mit bei.
Auswahl an Stauden für
· neutrale bis alkalische Böden (kalkverträglich):
Sommeraster (Aster amellus), Goldhaar-Aster (Aster linosyris), Ehrenpreis (Veronica spicata 'Incana'), Agavenblättrige Mannstreu (Eryngium agavifolium), Fetthenne (Sedum), Graslilie (Anthericum), Origano (Origanum), Perlgras (Melica), Palmlilie (Yucca), Schwertlilie (Iris barbata), Spornblume (Centranthus), Sonnenröschen (Helianthemum), Wollziest (Stachys byzantina 'Silver Carpet')
· neutrale (pH 7) Böden:
Königskerze (Verbascum), Natternkopf (Echium), Weinraute (Ruta),
· schwach sauere bis neutrale Böden (kalkmeidend):
Edeldistel (Eryngium planum), Hauswurz (Sempervivum), Katzenminze (Nepeta)

Auch einige Halbsträucher sind sehr trockenheitsverträglich wie z.B. Lavendel (Lavandula) und Rosmarin (Rosmarinus), die beide für kalkhaltige Böden geeignet sind sowie Currykraut (Helichrysum italicum), das neutralen Boden bevorzugt.


Eva Morgenstern, Gartenakademie RLP





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