Weinfeste als Verführung der Sinne

4. Teil: Planung der Einzelmaßnahmen

Durch die Ansprache aller Sinne können die Weinwelt und die Arbeit des Winzers für den Besucher erfahr-
bar gemacht werden. Doch wie genau kann dies auf einem Weinfest gelingen?

Bislang sind die meisten Weinfeste so konzipiert, dass Weinstände die Besucher bei einem musikali-
schen Rahmenprogramm zum Probieren einladen. Als Publikumsmagnete werden oftmals Festumzüge,
Feuerwerk usw. geboten. Ein Weinfest ist heute aber nicht einfach nur noch eine Aneinanderreihung von
Holzständen mit bunten Lichterketten, an denen Wein ausgeschenkt wird. Weinfeste werden zunehmend
zum Event. Durch ein paar pfiffige Ideen lässt sich das Programm so gestalten, dass die Weinfestbesucher
aktiv in das Geschehen eingebunden werden und dabei in eine Weinerlebniswelt eintauchen können.

Das bisher gebotene Rahmenprogramm von Weinfesten bietet oft einen guten Grundstock, um daraus ein
sinnliches Erlebnis werden zu lassen. Das bestätigte auch eine Besucherbefragung anlässlich des
Weinhöfefestes in Harxheim/Rheinhessen aus dem Jahr 2004. Im Rahmen dieser Befragung, an der sich
416 Weinfestbesucher beteiligten, sollten diese das Harxheimer Weinhöfefest sowie Konkurrenzveran-
staltungen beurteilen. Dabei wurde auch das Besucherverhalten analysiert sowie Raum für Verbes-
serungsvorschläge gelassen. Die Analyse der Kundenzufriedenheit bildet eine gute Grundlage für die
Weiterentwicklung des Rahmenprogramms.

Ein sinnliches Programm …

Die Eröffnungsfeierim Rahmen derer bei den meisten Weinfesten neue Weinhoheiten gekrönt werden
– könnte in ein kleines Krönungsfestival umgewandelt werden. Die neue Weinmajestät sollte dabei im
Mittelpunkt stehen, so könnte sie z.B. auf einem Thron auf die Bühne getragen werden. Anstelle langer
Reden können Interviews, bei denen auch das Publikum einbezogen werden sollte, die Eröffnung
lebendiger und interessanter gestalten. Der Auftritt einer Jazztanzgruppe oder eines Jugendchores
rundet das Krönungsfestival ab.

Die Besucherbefragung ergab, dass Programmpunkte wie ein Feuerwerk (Durchschnittsnote 1,66) oder eine Weinbergswanderung (Durchschnittsnote 1,91) besonders beliebt sind und gut frequentiert werden. Ein Feuerwerk kann besonders emotionalisierend wirken, wenn es inmitten der Weinberge abgeschossen wird.

Im Rahmen einer Weinwanderung mit Probestationen können Weingenuss, das Live-Erlebnis der Arbeit des Winzers in den Weinbergen, das Naturerlebnis und die Aufbesserung von Weinwissen miteinander verbunden werden. Dabei können die Gäste diesen Programmpunkt mit allen Sinnen genießen. Als sportliche Variante der Weinbergswanderung ist eine Wine-Walking-Tour durch die Weinberge denkbar.

Für viele Besucher spielt ein abwechslungsreiches und attraktives Musikprogramm eine große Rolle. So können im Rahmen einer „langen Nacht der Musik“ verschiedene Bands unterschiedlicher Stilrichtungen (z. B. eine Jazzgruppe, ein Alleinunterhalter, eine Rock-Pop-Band, ein Gospelchor) in den einzelnen Höfen auftreten, um mehrere Zielgruppen unterschiedlicher Altersklassen gleichzeitig anzusprechen und um den Spaßfaktor des Weines zu kommunizieren.


Ein Programmpunkt, der alle Sinne auf einmal anspricht und ein Erlebnis für alle Generationen darstellt,
ist ein „Erlebnispfad für die Sinne“. 39 % der Befragten können sich dies als weiteres Highlight auf einem
Weinfest vorstellen. Außerdem wird dieser Programmpunkt der Forderung gerecht, den Kindern eine
Unterhaltung während des Weinfestes zu bieten. Es werden verschiedene Stationen aufgebaut, die
spielerisch Weinwissen vermitteln und den Wein erlebbar machen. Als Stationen sind dabei z. B. ein
Buttenwettrennen, ein Etiketten-Malwettbewerb, eine Probe mit verbundenen Augen, bei der ein Wein
bzw. ein Traubensaft erkannt werden muss, ein „Weck-Worscht-Woi-Wettessen“, sensorische
Riechproben, das Schreiben einer Flaschenpost an einen lieben Menschen, das Ertasten von Wein-
Werkzeugen und eine Ruheoase, in der man dem „Sound of Wingert“ lauschen kann, denkbar.

Eine abgewandelte Variante, bei der das Vermitteln von Weinwissen im Vordergrund steht, sind
Themen-Pavillons mit kleinen Workshops rund um das Thema Wein, die gezielt Weinliebhaber und
–kenner ansprechen. Ein Pavillon könnte der Weinsensorik gewidmet sein. Ein weiterer Pavillon ver-
deutlicht anhand einer Bilder- und Geräteausstellung die Stationen der Weinbereitung. Außerdem
könnten Workshops z. B. zum Thema „Käse und Wein“ oder „Schokolade und Wein“ stattfinden.
Kreativen Ideen sind hier keine Grenzen gesetzt.

Um die Weinstraße attraktiv zu gestalten, kann diese zur Wein-Kunst-Meile deklariert werden: Neben
den ansprechend dekorierten Weinständen bieten Hobbykünstler eine Vielfalt von Kunsthandwerk mit
Bezug zum Thema Wein (z. B. Wein und Blumen, Aquarelle mit Bezug zur Weinlandschaft, Töpferwaren,
etc.).

Ein schöner Abschluss für ein Weinfest ist eine Fackelwanderung mit Weinstationen durch die Weinberge, das können sich auch 65 % der Befragten vorstellen. Das Licht der Fackeln, der Weingenuss und die Weinberge als Kulisse bewirken ein hohes Maß an Emotionalität.


Wichtig bei der Organisation eines Weinfestes ist die Standortwahl. Die Besucherbefragung in Harxheim
hat ergeben, dass die Besucher vor allem Weinfeste schätzen, die sich durch ein schönes Ambiente
auszeichnen. Die Lage inmitten der Weinberge, in Stadtparks oder idyllischen Weinhöfen sorgt für eine
ganz besondere Stimmung, in der sich der Gast gerne zu einem weiteren Glas Wein verleiten lässt.
Überlaufene Weinfeste, auf denen es in engen Gassen schnell zu dichtem Gedränge kommt, sind beim
Publikum weniger beliebt.

Die Kommunikationsmaßnahmen

Im Rahmen der Kommunikationsmaßnahmen für ein Weinfest sollten die Veranstalter die Entwicklung
der elektronischen Medien nutzen, um auf ihre Veranstaltung neugierig zu machen. So könnte auf einer
für das Fest kreierten Homepage ein E-Card-Versand eingerichtet werden, wo Besucher dieser Internet-
seite Freunde und Bekannte zu dem Weinfest einladen können. Ein virtueller Rundgang über das Weinfest
mit Bildern, die Lust auf mehr machen, könnte über das Angebot an Speisen und Getränken, das Rahmen-
programm sowie die teilnehmenden Winzer und Vereine informieren. Für die Winzer bietet das Weinfest
eine gute Gelegenheit, ihre Weinkunden zu dem Event einzuladen. Dabei ist es sinnvoll, die Einladungen
per E-Mail zu verschicken. Dieser Weg bietet den Vorteil von geringen Versandkosten und die Chance, dass
der Empfänger die Einladung zum Weinfest an Freunde weiterleitet.

Die Besucherbefragung in Harxheim hat deutlich gezeigt, dass die Gäste hauptsächlich (59 %) durch Mund-
u-Mund-Propaganda auf das Weinhöfefest aufmerksam geworden sind. Gerade einmal 15 % haben über
die Presse von der Veranstaltung erfahren und nur 7 % durch Plakate. Diese Zahlen verdeutlichen, dass es
wichtig ist, den Gästen ein besonderes Erlebnis zu bieten, das sich langfristig positiv in ihrem Gedächtnis
verankert, so dass sie Freunden und Bekannten begeistert von dem Weinfest erzählen und ihnen den
Besuch dieser Veranstaltung empfehlen. Um die Kommunikation über die Presse voll zu nutzen, sollten
neben der Anzeigenschaltung eine Pressemitteilung über das Fest und seine Besonderheiten sowie ein
Pressegespräch initiiert werden. Aufhänger für das Pressegespräch können z. B. ein Bericht über die
abgelaufene Amtszeit der Weinmajestät, eine Qualitätsoffensive der Winzer oder grundlegende Neuerungen
sein.

Plakate und Handzettel sollten so platziert sein, dass sie direkt ins Auge fallen und die Zielgruppe er-
reichen. Besonders große Banner an öffentlichen Gebäuden mit viel Durchgangsverkehr erregen Aufmerk-
samkeit. Schon das Motto des Weinfestes sollte so gewählt sein, dass es zum Genießen einlädt und den
Leser auf das Weinfest neugierig macht.

Distributionspolitik

Die Distributionspolitik eines Weinfestes beschäftigt sich vor allem mit der Frage, wie kommen die
Besucher zum Weinfest und zurück. Eine gute Planung führt letztendlich auch wieder zur Besucherzu-
friedenheit. So sollten ausreichen Parkplätze geschaffen werden, die sichtbar gekennzeichnet sind,
z. B. durch Hinweisschilder oder durch Einweiser. Ein Serviceangebot, was viele Weinfestbesucher
schätzen, ist das Angebot eines Shuttleservices, der benachbarte Ortschaften anfährt und so die
Gäste sicher zum Weinfest bringt und nach dem Weingenuss auch wieder nach Hause fährt. Vorstellbar
ist dabei eine Kooperation mit einem Taxiunternehmen, das Sammeltaxen zur Verfügung stellt, die regel-
mäßig fahren. Durch Aushänge an den Weinständen und entlang der Weinstraße sowie durch eine
Vorankündigung in der Presse werden die Besucher auf dieses Angebot aufmerksam.

Kreativen Ideen sind im Event-Marketing keine Grenzen gesetzt. Es lohnt sich allemal einen Versuch
zu starten, anders als andere zu sein. Schließlich eignen sich Weinfeste sehr gut, um den Besuchern
eine Kombination aus Wein, Genuss und Erlebnis zu bieten. Schon Goethe war sich bewusst: „Kein
Genuss ist vorübergehend; der Eindruck, den er hinterlässt ist bleibend“. So werden Weinfeste, die
unsere Sinne ein wenig verführen, uns zum Genießen einladen und auf denen es einfach Spaß
macht zu feiern, ein besonderes Erlebnis.4. Teil: Planung der Einzelmaßnahmen

Durch die Ansprache aller Sinne können die Weinwelt und die Arbeit des Winzers für den Besucher erfahr-
bar gemacht werden. Doch wie genau kann dies auf einem Weinfest gelingen?

Bislang sind die meisten Weinfeste so konzipiert, dass Weinstände die Besucher bei einem musikali-
schen Rahmenprogramm zum Probieren einladen. Als Publikumsmagnete werden oftmals Festumzüge,
Feuerwerk usw. geboten. Ein Weinfest ist heute aber nicht einfach nur noch eine Aneinanderreihung von
Holzständen mit bunten Lichterketten, an denen Wein ausgeschenkt wird. Weinfeste werden zunehmend
zum Event. Durch ein paar pfiffige Ideen lässt sich das Programm so gestalten, dass die Weinfestbesucher
aktiv in das Geschehen eingebunden werden und dabei in eine Weinerlebniswelt eintauchen können.

Das bisher gebotene Rahmenprogramm von Weinfesten bietet oft einen guten Grundstock, um daraus ein
sinnliches Erlebnis werden zu lassen. Das bestätigte auch eine Besucherbefragung anlässlich des
Weinhöfefestes in Harxheim/Rheinhessen aus dem Jahr 2004. Im Rahmen dieser Befragung, an der sich
416 Weinfestbesucher beteiligten, sollten diese das Harxheimer Weinhöfefest sowie Konkurrenzveran-
staltungen beurteilen. Dabei wurde auch das Besucherverhalten analysiert sowie Raum für Verbes-
serungsvorschläge gelassen. Die Analyse der Kundenzufriedenheit bildet eine gute Grundlage für die
Weiterentwicklung des Rahmenprogramms.

Ein sinnliches Programm …

Die Eröffnungsfeierim Rahmen derer bei den meisten Weinfesten neue Weinhoheiten gekrönt werden
– könnte in ein kleines Krönungsfestival umgewandelt werden. Die neue Weinmajestät sollte dabei im
Mittelpunkt stehen, so könnte sie z.B. auf einem Thron auf die Bühne getragen werden. Anstelle langer
Reden können Interviews, bei denen auch das Publikum einbezogen werden sollte, die Eröffnung
lebendiger und interessanter gestalten. Der Auftritt einer Jazztanzgruppe oder eines Jugendchores
rundet das Krönungsfestival ab.






Kathrin.Saaler@dlr.rlp.de     www.Weinmarketing.rlp.de drucken