Die Walnussfruchtfliege - ein ernstzunehmender Schädling

Die Walnussfruchtfliege (Rhagoletis completa) schlägt in ganz Rheinland-Pfalz zu
Die Walnussfruchtfliege Rhagoletis completa stammt ursprünglich aus Amerika, wo sie einbedeutender Schädling im erwerbstätigen Walnussanbau ist. Sie wurde in den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts in Europa eingeschleppt und ist über Italien, Frankreich und der Schweiz auch nach Deutschland vorge- drungen. Von dort geht die Ausbreitung Richtung Norden, wobei sie Gebiete mit Frühjahrstemperaturen über 7 °C bevorzugt. Innerhalb der letzten Jahre nahm der Befall in ganz Rheinland-Pfalz stetig zu. Inzwischen weisen Walnussbäume flächendeckend bis zu 100 % Befall (Bild 1) auf. Die befallenen Früchte sind meistens nicht mehr verwertbar. Aufgrund des massiven Befalls durch die Walnussfruchtfliege denken viele Baumbesitzer auch über eine Rodung der Walnussbäume nach.


Bild 1: Befall am Baum
Bild 2: Walnussfruchtfliege auf grüner Nuss

Biologie:
Die Walnussfruchtfliege gehört zur selben Gattung wie die heimische Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi), ist aber etwas größer (4 bis 8 mm, ähnlich einer Hausfliege) als diese. Ein deutliches Erkennungsmerkmal ist der gelbe Punkt (Scutellum) auf dem Rücken. Die Flügel tragen 3 deutliche Querbänder, das letztere ist V –förmig angeordnet (Bild 2). Die Fliege erscheint etwa ab Mitte Juli und fliegt bis Mitte September. Sie bildet eine Generation pro Jahr, wobei ein Weibchen bis zu 400 Eier - in Gruppen von ca. 15 Stück - in die Frucht legt. Die Maden (Bild 3) ernähren sich vom Fruchtfleisch der äußeren Hülle (Exokarp). Nach einer 3 bis 5 wöchigen Fraßtätigkeit lassen sie sich auf den Boden fallen, verpuppen sich und überwintern in den oberen Bodenschichten. Somit erscheinen die Fliegen wieder im nächsten Sommer, wobei die Puppen auch überliegen und somit 2 Jahre im Boden bleiben können.

Bild 3: Madenbefall an der Frucht
Bild 4: Befallene Früchte

Schadbild:
Neben dem gemeinen Nussbaum Juglans regia wird auch die Schwarznuss Juglans nigra befallen. Erste Anzeichen sind kleine schwarze Punkte auf der grünen Nussschale. Nach dem die Maden geschlüpft sind, ernähren sie sich von der Fruchtwand, die dann weich, feucht und schwarz wird (Bild 4). Dabei können mehrere Larven in einer Fruchtschale schädigen. Die Fruchthülle wird schleimig und klebrig, die Nuss- schale bleibt intakt und der Kern wird nicht direkt geschädigt, kann aber schrumpfen und klein bleiben. Es kann dadurch zu Qualitätsverlusten kommen. Der Haupt-schaden liegt aber in der schwarzen Verfärbung der Nussschale, die dann unansehnlich wird. Werden die Nüsse der Vermarktung zugeführt, müssen sie aufwendig gereinigt (z.B. Waschmaschine, Hochdruckreiniger) und anschließend getrocknet werden. Das Schadbild kann leicht mit dem Bakterienbrand (Xanthomonas campestris pv. juglandis) der Walnuss oder der Marssonina-Krankheit (Marsonina juglandis) verwechselt werden, wobei bei beiden Krankheiten auch die Blätter betroffen sind. Die Anfälligkeit und der Befall der Früchte durch die Walnussfruchtfliege können unter Umständen sorten- und standortabhängig unterschiedlich stark sein.


Bekämpfung:
In frühen Jahren treten die ersten Walnussfruchtfliegen bereits ab Anfang Juli auf. Bei warmen Temperaturen nimmt der Flug deutlich zu. Mit dem Auftreten der Walnussfruchtfliege ist bis in den September hinein zu rechnen, Flughöhepunkt ist in Normaljahren im August und in diesem Zeitraum ist auch mit dem Hauptschaden zu rechnen. Zur Überwachung vor Ort können ab Juli Gelbtafeln ausgehängt werden. Mit diesen Gelbtafeln wird ein Teil der Fliegen weggefangen. Ein Befall lässt sich aber nicht verhindern. Da Walnüsse in der Regel nur bedingt erwerbsmäßig und überwiegend im Hausgarten angebaut werden, beschränkt sich dort die Bekämpfung auf indirekte Maßnahmen wie das sofortige Einsammeln und Vernichten befallener Früchte. Weiterhin kann durch Auslegen von engmaschigen Fliegennetzen das Aufwandern bzw. das Einwandern der Maden vermindert werden.
- Günter Hensel, DLR Rheinpfalz, Oppenheim -


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