„Weißwein aus Deutschland. Ein Sommermärchen“






Neustadt, 30. März 2007. Vor einem Plenum mit über 140 Teilnehmern diskutierten Experten aus der Weinwirtschaft beim 14. Weinmarketingtag Rheinland-Pfalz im DLR Rheinpfalz, Neustadt über Erfolgsaussichten und Herausforderungen für deutschen Weißwein. Die Parallelen zwischen Fußball und Wein, die das Motto „Weißwein aus Deutschland. Ein Sommermärchen“ erkennen ließ, waren dabei immer präsent: Selbstbewusst, erfrischend und modern – so präsentierte sich nicht nur unsere Nationalmannschaft, so wird zunehmend auch der deutsche Weißwein im In- und Ausland wahrgenommen. Aus den Referaten und der Diskussion konnten die Teilnehmer eine Reihe an Vermarktungsimpulsen mit nach Hause nehmen.

Deutscher Weißwein begeistert - national wie international. Sein Image ist so positiv wie nie, die Fangemeinde wächst. Um die Euphorie zu erhalten und auch in Zukunft erfolgreich am Weinmarkt bestehen zu können, müssen klare Weinprofile kommuniziert werden und Winzer das emotionale Erlebnis „Wein“ authentisch verkaufen.

Nach der Begrüßung durch den Hausherren Dr. Hans-Peter Lorenz vom DLR Rheinpfalz, rief Dr. Peter Fuchß vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau zu einer Fortführung und Weiterentwicklung der Qualitätsoffensive der rheinland-pfälzischen Weinanbaugebiete auf. Für ihn ist ein fundiertes Qualitätsmanagement die Grundlage für den Markterfolg.

Den Referenten wurden von Moderator Bernd Wechsler (Kompetenzzentrum Weinmarkt & Weinmarketing Rheinland-Pfalz) ganz unterschiedliche Rollen zugeteilt: Der „Fanbeauftragte für Deutsche Weine“ Prof. Dr. Dieter Hoffmann von der Forschungsanstalt Geisenheim zeigte die Präferenzen des deutschen Verbrauchers für Weißwein auf. „Frische, Aroma und Fülle machen den Erfolg aus. Das feine Aroma unserer heimischen Rebsorten ist der entscheidende Wettbewerbsfaktor“, so Prof. Hoffmann. Durchaus kritisch bewerten viele Verbraucher die Säure im Wein. Sie muss gut eingebunden sein und sollte als Frische wahrgenommen werden. Besonders gute Chancen sieht er neben Riesling, Rivaner und Burgundern auch für internationale Rebsorten wie Sauvignon Blanc. Diese Rebsorten sind bei Weinkennern bereits bekannt und werden gut angenommen. Vor allem die Trockentrinker sind gute Multiplikatoren für den Wein, sie konsumieren bereits international, zählen zur Weinkennerschaft und sind sehr probierfreudig. Es gilt, gerade ihre Präferenzen durch passende Weine zu befriedigen. Trocken und lieblich sind zwei getrennte Geschmackswelten. Prof. Hoffmann forderte deshalb, diese Sortimentsbereiche klar zu profilieren um den verschiedenen Zielgruppen gerecht zu werden. Ein weiterer Tipp des „Fanbeauftragten“ lautete, das Angebot für die Verbraucher zeitlich zu strukturieren, z. B. mit einem Rivaner im November, Weißburgunder im Februar oder Riesling im April.

Wie man über Marktforschung zu klaren Weinprofilen kommt, berichtete „Taktiktrainer“ und „Spielerscout“ Prof. Dr. Ulrich Fischer vom DLR Rheinpfalz. Vor allem für die Produktentwicklung und die Optimierung eines Produktes spielt fundierte Marktforschung eine wichtige Rolle. So können Präferenzen der Verbraucher erkannt und umgesetzt werden. Ein positives Beispiel hierfür sind die Weine von DC Pfalz, die durch geprüfte sensorische Eigenschaften überzeugen und für ein authentisches Abbild von Landschaft, Natur und Menschen der Pfalz stehen. Die Zielsetzung der Produktentwicklung war es, ein hervorgehobenes Herkunftslabel zu schaffen, das für typische Weine der Region Pfalz steht. Durch klar umrissene und geprüfte sensorische Profile ist es so gelungen, sich von der großen Masse trockener Weißweine auf dem Markt abzuheben. Für den Verbraucher ist die verlässliche und konstante Qualitätsgarantie der DC Pfalz Profilweine ein wichtiger Vertrauensfaktor. Auch das einheitliche Corporate Design darf nicht vernachlässigt werden, um einen Profilwein als Marke zu etablieren.

„Schnell, unkonventionell und unberechenbar“ ist Roman Niewodniczanski - eben ein „Stürmertyp“. Seit sieben Jahren leitet er das Weingut Van Volxem in Wiltingen. Mit seiner Leidenschaft für den Saar-Riesling begeistert er nicht nur die Weinwelt, sondern zog auch die Teilnehmer des Marketingtages in seinen Bann. Niewodniczanski ist sich sicher: „Austauschbarkeit ist der Tod des Premium. Unser Wein wird durch seine Tradition und die Geschichte des Winzers einzigartig.“ Die Besinnung auf alte Lagen und ein eigenständiger, authentischer Stil sind sein Erfolgsgeheimnis. Mit der Verfolgung einer konsequenten Nischenstrategie im Weingut Van Volxem erreicht er eine einmalige Unique Selling Proposition (USP) = Alleinstellungsmerkmal. Der Jungwinzer legt großen Wert auf ein striktes Qualitätsmanagement, Coaching der Mitarbeiter und das Herausarbeiten des Terroirs der Steillagen an der Saar. Fachsimpeleien mit Kollegen („Wir sprechen am liebsten über Regenwürmer“) sind für ihn genauso wichtig wie die Weinbergsführung für Journalisten.

Die Zukunft des deutschen Weißweines aus der Sicht des „Kommentators“ skizzierte der Weinjournalist Mario Scheuermann aus Hamburg. Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Szenarien der Klimaentwicklung werden sich die Produktionsbedingungen wandeln. „Extreme Wetterbedingungen erschweren in Zukunft die klare Profilierung von Weintypen am Markt. Wir werden über die Möglichkeit eines überregionalen Verschnitts von Qualitätsweinen mit Jahrgang und Rebsorte nachdenken müssen“, schlug Scheuermann vor. Viele der traditionellen weißen Rebsorten werden durch den Klimawandel verstärkt im Norden und Osten angebaut werden, während es auf den bisherigen Standorten immer internationaler zugehen wird. Er denkt dabei vor allem an Rebsorten wie Chardonnay, Sauvignon Blanc, St. Laurent, Merlot und Cabernet Sauvignon. „Die Weinwelt unserer Kinder wird anders aussehen und anders schmecken“, prophezeite Scheuermann.

Die Weinprobe im Anschluss an die Impulsvorträge zeigte, dass deutsche Weißweine von der Basis bis ins Super-Premium-Segment im internationalen Wettbewerb hervorragend aufgestellt sind. Vor allem in der Spitze gelingt es, durch das Aufladen der Weine mit Emotionalität, Geschichte und Begeisterung des Winzers einzigartige Produkte zu positionieren.





Kathrin.Saaler@dlr.rlp.de     www.Weinmarketing.rlp.de drucken