Qualitätsweinanstellungen 2013 - Kellereien machen Boden gut

Stand: 04/15/2014


Das Kompetenzzentrum Weinmarkt & Weinmarketing Rheinland-Pfalz in Oppenheim führt jährlich Analysen der Qualitätsweinanstellungen durch. Die Zahlen hierfür stellt die Landwirtschaftkammer Rheinland-Pfalz in Bad Kreuznach zur Verfügung. Die Anstellungsmengen legen das Vermarktungspotenzial der kommenden Monate fest und erlauben damit quasi einen Blick in die Zukunft des Weinmarktes. Wir stellen die Jahreszahlen 2013 im Vergleich zu den Vorjahren dar, so dass Trends und Entwicklungslinien deutlich werden.

Die Anstellungsmenge an Qualitätswein im Jahr 2013 lag in Rheinland-Pfalz mit insgesamt 4,97 Mio. hl leicht (+0,4 %) über der des Vorjahres. Waren es in 2012 noch die Weingüter, die für das Mengenplus verantwortlich zeichneten, legten die Kellereien im letzten Jahr um 3 % auf über 3 Mio. hl zu. Auch die rheinland-pfälzischen Winzergenossenschaften wiesen einen recht deutlichen Zuwachs um +2,4 % auf 0,61 Mio. hl auf. Die Anstellungsmenge der Weingüter hingegen sank um -5,8 % auf 1,35 Mio. hl.

Deutscher Wein gewinnt Marktanteile zurück

Die Zahlen der Landwirtschaftskammer decken sich weitgehend mit den Beobachtungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die über ihr Haushaltspanel seit vielen Jahren das Einkaufsverhalten von Verbrauchern auch beim Wein untersucht. Die GfK weist für das Jahr 2013 einen mengenmäßigen Zuwachs für deutsche Weine in Höhe von 2,5 % aus, bei mehr oder weniger stabilen Umsätzen (-0,3 %). Die Marktsituation beruhigt sich weiter. Dennoch hat die extrem kleine Erntemenge 2010, die in Rheinland-Pfalz rund 1,5 Mio. hl unter dem Durchschnitt lag, zwei Jahre lang nachgewirkt. Der Markt stabilisiert sich nun aber insgesamt und deutsche Weine gewinnen Marktanteile zurück.

Die Konsumforscher der GfK sehen außerdem eine ausgeprägte Nachfrageverlagerung vom Direktbezug beim Winzer (-3 %) bzw. Einkauf im Weinfachhandel (-7 %) hin zum Lebensmitteleinzelhandel (+14 %) und den Discountern. Auch das passt auffallend mit den Anstellungszahlen der Landwirtschaftskammer. Während die vornehmlich auf den Handel spezialisierten Kellereien und Winzergenossenschaften zulegen, gehen die Absätze über die klassische Direktvermarktung im Durchschnitt der Betriebe zurück. Diese Beobachtungen sind nicht neu und können von vielen Flaschenweinvermarktern sicher nachgefühlt werden. Das Einkaufs- und Konsumverhalten der Verbraucher verändert sich nachhaltig und Weingüter passen ihre Vermarktungsstrategie an.

Entwicklung nach Weinarten

Was die verschiedenen Weinarten betrifft, so ist der Markt in Rheinland-Pfalz recht stabil. In 2013 wurden von Winzern und Kellereien 3,2 Mio. hl Weißwein angestellt, nur geringfügig weniger (-1%) als im Vorjahr. Auf der anderen Seite legten Rotweine um 0,9 %-Punkte zu. Rosé und Weißherbst erfreut sich ungebrochener Beliebtheit bei Verbrauchern und Winzern. Die Anstellungsmenge der hellroten Weine kratzt an der 500.000 hl-Marke und steigt gegenüber 2012 um 9,6 %. Wachstum beim Rosé konnten aber nur die Kellereien generieren. Dort stieg die angestellte Qualitätsweinmenge um über 17 %, während Weingüter ein Minus von fast 6 % aufwiesen.

Grau- und Weißburgunder auf Allzeithoch

Beim Blick auf die wichtigsten Rebsorten gibt es viele interessante bekannte, aber auch einige neue Entwicklungen. Weiter auf Erfolgskurs sind Grauburgunder (233.000 hl) und Weißburgunder (181.000 hl). Noch nie wurden mehr gefüllt und noch nie waren weiße Burgunderweine aus Rheinland-Pfalz so präsent. In den letzten 15 Jahren lag der jährliche Zuwachs bei Grau- und Weißburgunder bei rund 10 %. Über alle Betriebstypen sind die Burgunder gefragt, ob beim Winzer oder für den Handel, das Burgunderwunder setzt sich fort. Immer wenn Kellereien auf den Markt treten, profitieren vor allem die beiden großen Anbaugebiete Pfalz und Rheinhessen, die ihre strukturellen Vorteile im Preiseinstiegsbereich dann voll ausspielen können.

Meiste weiße Rebsorte ist und bleibt aber der Riesling. Insgesamt ist die Anstellungsmenge zwar leicht um 1 % auf 1,2 Mio. hl zurückgegangen. Riesling ist aber mit weitem Abstand die wichtigste weiße Weinsorte in Rheinland-Pfalz noch vor dem Müller-Thurgau (0,45 Mio. hl). Selten zuvor gab es aber so unterschiedliche Entwicklungen in den großen Riesling-Regionen Mosel, Pfalz und Rheinhessen. Ein Grund dafür ist die nunmehr dritte unterdurchschnittliche Ernte an der Mosel in den letzten 4 Jahren. Nicht nur 2010, sondern auch 2012 und 2013 brachten nicht den gewünschten Ertrag. Mit einschneidenden Konsequenzen für den Weinhandel. Die niedrigen Weinmosternten wirken sich logischerweise ein Jahr später auf die Anstellungen der Riesling-Qualitätsweine aus; mit möglicherweise langfristigen Folgen für die Weinwirtschaft an der Mosel.




Riesling von der Mosel wird zum knappen Gut

Was an der Mosel nicht produziert werden konnte, kaufen die Kellereien in den beiden anderen großen Anbaugebieten ein. War Moselwein - auch und gerade - im Lebensmittelhandel in früheren Jahren der absolute Inbegriff des Rieslings, so laufen ihm heute Rheinhessen und die Pfalz den Rang ab. Die großen Kellereien haben in 2013 erstmals mehr Riesling aus Rheinhessen (nämlich 198.000 hl) und der Pfalz (181.000 hl) als von der Mosel (161.000 hl -20 %!) gefüllt. Es scheint, als stände die Rieslingwelt auf dem Kopf. Dass dieser Trend nicht nur von den kleinen Erntemengen der letzten Jahre befeuert wird, zeigt das Schaubild 3.

Vor gerade einmal einer Dekade, im Jahr 2003 stammten nahezu 50 % der Rieslinge, die von Kellereien gefüllt wurden, von der Mosel und nur 15 % aus Rheinhessen. Zehn Jahre später sind es 35 % vom Rhein und nur noch 29 % aller Riesling-Anstellungen kommen von der Mosel. Die Region wird sich in den nächsten Jahren mit ganzer Kraft der Neu-Positionierung im Premiumsegment widmen müssen. Viele Flaschenwein vermarktende Weingüter zeigen schon heute, wie dieser Weg erfolgreich beschritten werden kann. Die Einzigartigkeit der Riesling-Stilistik von der Mosel bietet weltweit gute Chancen.

Früchte Jahrzehnte langer Arbeit – Silvaner aus Rheinhessen

Eine interessante Entwicklung zeigen die Anstellungen von Silvaner. Die seit vielen Jahren laufende Kampagne für den Silvaner aus Rheinhessen findet offensichtlich Gehör. Trotz rückläufiger Rebfläche steigt die Silvaner-Qualitätsweinmenge in 2013 um 10 % an. Und dieses Wachstum kommt zu nahezu 100 Prozent aus Rheinhessen. Die Pfalz verabschiedet sich immer mehr vom Silvaner. Rheinhessen hingegen versteht die alte Rebsorte als Chance und will die Möglichkeiten der Profilierung nutzen. Angespornt vom positiven Wettbewerb mit Franken, zeigen junge ambitionierte Winzer, welches Potenzial in dieser Rebsorte steckt.

Unverändert rückläufig sind die Anstellungen von Weißwein ohne Rebsortenangabe. Liebfraumilch, Oppenheimer Krötenbrunnen und Co. verlieren weiter an Bedeutung. Jahr für Jahr geht die Anstellungsmenge der Generics um rund 5 % pro Jahr zurück. In 2013 wurden 0,77 Mio. hl zur amtlichen Prüfung geschickt. Zum Vergleich: in 2003 waren es noch 1,7 Mio. hl.

Dornfelder erholt sich leicht

Bei den roten Rebsorten ist der Abwärtstrend des Dornfelders gestoppt. Dies auch, weil die Rebsorte besonders von der guten Nachfrage nach Roséwein profitiert, aber auch, weil die Kellereien und besonders die rheinland-pfälzischen Winzergenossenschaften im Lebensmittelhandel beim Rotwein wieder Boden gut machen konnten. Dornfelder ist die rote Rebsorte für den Handel. Weingüter setzen weiter mehr auf Spätburgunder und/oder internationale Rotweine. Wobei gerade der Spätburgunder in der Vermarktung kein Selbstläufer ist und viel Einsatz, Mühe und Überzeugungskraft braucht.

Trocken/halbtrockene Geschmacksrichtung überwiegt

Zum Schluss noch ein Blick auf die Entwicklung bei den Geschmacksrichtungen: Über alle Qualitätsweinanstellungen betrachtet setzt sich der Trend zu trockenen und halbtrockenen Weinen weiter fort. Sicher gibt es im Einzelfall Ausnahmen von denen mancher Winzer zu berichten weiß. Die Statistik der Qualidaten belegt aber, dass im letzten Jahr so viele Weine wie noch nie (Ausnahme 2008) trocken ausgebaut wurden. Insgesamt waren das über 2 Mio. hl oder 41 % der Weine. Mit etwas mehr Restsüsse (also halbtrocken) kamen 18,5 % der Qualitätsweine auf den Markt und 41 % waren lieblich oder süß.

Die wichtigsten Fakten aus 2013 in Kurzform:
  • Qualitätsweinanstellungen in Rheinland-Pfalz steigen um 0,4 %
  • Nachfrageverschiebung von der Direktvermarktung hin zum Handel
  • Kellereien (+3%) und WGs (+2,4%) legen deutlich zu
  • Weingüter verlieren -5,8%
  • Weiß- und Grauburgunder erreichen Allzeithoch
  • Rheinhessen ist größter Riesling-Lieferant für Handelskellereien
  • Rotwein gewinnt Marktanteile zurück
  • Trend zu trockenen Weinen hält an





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