Weinsensorik für den Kunden erlebbar machen

Winzer verkaufen heute weit mehr als nur das „Produkt Wein“. Sie verkaufen eine für viele Kunden attraktive Lebenswelt. Wein im Weingut zu genießen wird zum Erlebnis. Im Marketing nimmt deshalb der Eventcharakter einer Weinverkostung zu. Der Genuss mit allen Sinnen rückt in den Mittelpunkt.

Die Ansprüche der Verbraucher an den Weinverkauf selbst wie auch an die Gestaltung von Weinproben verändern sich, bieten aber auch klare Chancen zur Profilierung des Winzers. Genuss und Lebensfreude rücken immer mehr in den Mittelpunkt der Freizeitgestaltung. Der Wein ist ein ideales Produkt, um es mit allen Sinnen zu genießen. Eine attraktive Weinverkostung kann Aktivierungsprozesse zum Weinkauf beim Kunden auslösen.

Viele Weinkunden wollen ihr Weinwissen kontinuierlich erweitern und dabei spielerisch an das komplexe Thema Wein herangeführt werden. Vor allem die Welt der Weinsensorik zieht die Konsumenten in ihren Bann.

Für viele Weinkunden ist die sensorische Weinbeschreibung von Winzern oder Sommeliers zunächst ein Rätsel. Oft ist die Beschreibung des eigenen sensorischen Eindrucks auch eine Hemmschwelle: „Ist das jetzt wirklich Pfirsich, was ich da rieche?“. Aromen geruchlich und geschmacklich erkennen und benennen zu können, ist oft nur eine Übungssache. Schon mit wenigen Hilfsmitteln kann dem Kunden das Thema Weinsensorik spielerisch näher gebracht werden.

Einführung in die Weinsensorik

Bevor es an die Schulung der Sinne geht, sollte eine kurze theoretische Einführung in die Thematik einführen. Wie funktioniert der Geschmackssinn? Warum werden über 90 % des Geschmacks „gerochen“? Wie unterscheiden sich Primär- von Sekundär- und Tertiäraromen? Diese Fragen sollten im Rahmen eines kleinen Vortrages beantwortet werden. Weitere Informationen über die Theorie der Weinsensorik haben Martin Darting und Dr. Steffen Michler in einem Artikel zusammengetragen: http://www.dar-vino.de/auw_sensorik.html.

Schwarze Gläser

In schwarzen Sensus-Gläsern (Bezug über Schott Glas in Mainz) können unterschiedliche Weinaromen angesetzt werden. Die „Rezepte“ für die Riechproben sind nachfolgend dargestellt. Der Vorteil der schwarzen Gläser ist, dass sich der Konsument voll und ganz auf einen Sinn – nämlich seinen Geruchssinn – konzentrieren kann. Mit Hilfe des Weinaromarads (Bezug über das Deutsche Weininstitut) nähern sich die Kunden spielerisch dem Thema Weinsensorik. Am besten ist es, den Teilnehmern ausreichend Zeit zu lassen die Aromen in den Gläsern zu erraten und nach einer Weile gemeinsam aufzuklären, was sich in welchem Glas verbirgt. Das erhöht den Aha-Effekt und schafft Erfolgserlebnisse. Es ist sinnvoll, die Proben in verschiede Gruppen einzuteilen: Weißweinaromen, Rotweinaromen, Barriquearomen und eventuell sogar Weinfehler.

Hier einige „Rezepte“ zum Ansetzen der Proben in den schwarzen Gläsern:

Weißweinaromen
Grundwein: trockener Riesling oder Silvaner
  • Zitrone: Grundwein mit einem Stück Zitrone mind. 3 Stunden ziehen lassen
  • Apfel: Grundwein mit einem Stück grünen Apfel mind. 3 Stunden ziehen lassen
  • Pfirsich: Grundwein mit einem Stück Pfirsich mind. 3 Stunden ziehen lassen
  • Rose: Grundwein mit 2 Tropfen ätherischem Rosenöl ansetzen
  • Honig: Grundwein mit zwei Teelöffeln Honig versetzen
  • Grapefruit: Grundwein mit einem Stück Zitrone mind. 3 Stunden ziehen lassen

… das funktioniert auch mit vielen anderen Früchten.

Rotweinaromen
Grundwein: Portugieser oder Dornfelder
  • Kirschen: Grundwein mit 2 Teelöffeln Kirschsirup oder –saft ansetzen
  • Schwarze Johannisbeeren: Grundwein mit 2 Teelöffeln Cassissirup ansetzen
  • Himbeeren: Grundwein mit 2 Teelöffeln Himbeersirup ansetzen
  • Pfeffer: Grundwein mit 2 zerdrückten Pfefferkörner ansetzen
  • Vanille: Grundwein mit 5 Tropfen Vanille-Backöl ansetzen
  • Schokolade: 1 TL Raspelschokolade im Grundwein durch Erhitzung auflösen
  • Zimt: Grundwein mit einer Brise Zimt verrühren
  • Nelke: Grundwein mit einer Brise Nelke verrühren

Eine weitere Möglichkeit sind synthetisch hergestellte Aromafläschchen (Bezug z.B. über www.genussreich.de). Diese haben den Vorteil, dass Sie ohne Vorbereitung überall einsetzbar sind und nicht verderben.


Pfirsich – typisch Riesling!

Das Geheimnis, welcher Duft sich in welchem Glas verbirgt wird gemeinsam in der Gruppe gelüftet. Mit dieser Methode kann man typische Aroma für verschiedene Rebsorten gut erklären: „In Glas Nr. 1 war Pfirsich, das ist ein typisches Aroma für Rieslinge“. Auch Barriquearomen wie Zimt, Vanille und Schokolade können so gut dargestellt werden.

Natürlich sollte danach die Anwendung am praktischen Beispiel – also am Wein selbst – nicht fehlen. Es empfiehlt sich drei bis vier Weine auszuwählen, deren Aromen auch in den schwarzen Gläsern oder in den Aromafläschchen zu finden waren. Im Rahmen dieser kleinen Weinprobe können die Kunden ihre Weinsensorik verfeinern und die Weinbeschreibung üben.

Aufforderung zum bewussten Genuss

Bewusster Genuss lohnt sich! Das gilt nicht nur für den Wein. Gerüche werden im Gehirn abgespeichert und später mit bestimmten Situationen („riecht wie der Pudding, den ich als Kind immer gegessen habe“) oder mit den Speisen selbst in Verbindung gebracht. Nur wer Dinge bewusst mit allen Sinnen wahrnimmt, kann diese auch schnell wieder abrufen und benennen.

Machen Sie Ihre Sensorikweinprobe zu einem aufregenden Erlebnis für Ihren Weinkunden. Er wird diesen Event in guter Erinnerung behalten und die positive Stimmung gedanklich und emotional mit Ihrem Weingut und Ihren Weinen verknüpfen.





Kathrin.Saaler@dlr.rlp.de     www.Weinmarketing.rlp.de drucken