Kosten sparen und Umwelt schonen mit dem EffCheck

Stand: 04/15/2014
Welcher Winzer hat beim Öffnen seiner Rechnungen für Gas, Wasser oder Strom nicht schon darüber nachgedacht, ob vielleicht noch unentdeckte Einsparpotenziale im Betrieb schlummern? Die Stichworte heißen: Ressourcen- und Energieeffizienz! Sich mit diesen Fragen im eigenen Betrieb zu beschäftigen, fordert aber besonders eines, nämlich Zeit. Und weil es den Winzern an dieser Ressource oft am meisten mangelt, bleibt im Tagesgeschäft nicht viel Raum, sich intensiv mit Fragen der Effizienz zu befassen.

Weil das häufig so ist, unterstützt das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium Winzer und Winzergenossenschaften bei der gezielten Suche nach Einsparpotenzialen in den Bereichen Materialeinsatz, Energie, Wasser und Abfall. Mit dem Projekt EffCheck, PIUS-Analysen in Rheinland-Pfalz, das seit dem Jahr 2007 angeboten wird, können Betriebe nicht nur langfristig Kosten sparen, sondern leisten auch einen Beitrag zur Schonung unserer Umwelt.

Was ist PIUS genau?

PIUS steht für ProduktionsIntegrierter UmweltSchutz. Der zentrale Ansatz ist es, Emissionen und Abfälle während der Herstellung des Produktes (in unserem Fall des Weins) gar nicht erst entstehen zu lassen. Mit einem EffizienzCheck (kurz: EffCheck) sollen Stoffkreisläufe geschlossen und Verbräuche reduziert werden. Unterstützt wird der EffCheck vom Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz und/oder der Sonderabfall Management Gesellschaft (SAM) mbH.

Der EffCheck erfolgt dabei nach einem festgelegten Verfahren in vier Schritten:

Schritt 1: Initialgespräch

In einem ersten unverbindlichen Gespräch ermitteln Mitarbeiter des Landesamts und/oder der SAM die Ist-Situation im Betrieb und treffen bei einem Betriebsrundgang eine erste Einschätzung möglicher Verbesserungspotenziale. Die Praxis hat gezeigt, dass Optimierungsmöglichkeiten oft schon direkt beim ersten Besuch ins Auge fallen: ob der überalterte Kompressor, der mit zu hohem Druck gefahren wird, oder das voll ausgeleuchtete Flaschenlager, in dem sich seit Stunden niemand aufgehalten hat. Beispiele gibt es viele.
Nach dem Initialisierungsgespräch wählt das Weingut aus einer Liste von Fachberatern (siehe auch www.effnet.rlp.de) den passenden aus oder engagiert einen Eigenen. Mit dem Fachberater werden die weiteren Schritte abgearbeitet.

Schritt 2: Makroanalyse

Zunächst erfasst der Fachberater die Betriebsabläufe und analysiert die Verbräuche der letzten Jahre (Strom-, Gas-, Öl- und Wasser) in Relation zur erzeugten Weinmenge. Dabei werden auch witterungsbedingte Effekte berücksichtigt. Viele „außergewöhnliche“ Veränderungen der Verbräuche können bereits hier geklärt werden. Falls nicht, wird nach der Ursache gesucht. Die Fachberater bieten ein Paket unterschiedlicher, auf ihre technische Realisierbarkeit geprüfte, PIUS-Ansätze an.

Schritt 3: Mikroanalyse

Anhand von ökonomischen und ökologischen Daten wird eine detaillierte Datenbasis für zwei bis drei Erfolg versprechende PIUS-Ansätze ermittelt.

Schritt 4: Maßnahmenplan

Die Ergebnisse des EffChecks werden in einem Maßnahmenplan festgehalten; eine Entscheidungshilfe, auf die jederzeit zurückgegriffen werden kann.

Ein Beispiel: Blockheizkraftwerke (BHKW) sollten möglichst viele Betriebsstunden im Jahr haben, um eine größtmögliche Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Daher muss bei der Planung zunächst der ganzjährige Wärmebedarf des Betriebes ermittelt werden. Denn, ist BHKW in seiner Wärmeleistung zu groß dimensioniert, entsteht Wärme, die aufwändig gespeichert oder an Dritte weitergegeben werden müsste, um nicht verloren zu gehen. Zudem sind kleinere BHKW in der Anschaffung günstiger. Das BHKW muss dem Wärmebedarf des Betriebes perfekt angepasst sein.

Schritt 5: Präsentationsblatt (optional)

Als Abschluss des EffChecks erhalten Weingüter auf Wunsch ein informatives Präsentationsblatt mit den Ergebnissen, das zu Dokumentations- und Kommunikationszwecken z.B. auch gegenüber den Kunden dienen kann.

Zahlreiche Praxisbeispiele haben gezeigt, dass Umweltschutz nicht teuer sein muss. Ganz im Gegenteil: Durch den EffCheck werden Schwachstellen im Betrieb aufgedeckt, die oft mit geringen oder ganz ohne größere Investitionen realisiert werden können. So können mit der Optimierungen von Produktionsprozessen Material und/oder Energie und letztlich bares Geld gespart werden. Gerade Weingüter als familiengeführte Betriebe können mit Hilfe des EffChecks noch nachhaltiger werden und das Unternehmen für die Zukunft noch konkurrenzfähiger gestalten.
Angeboten wird EffCheck allen rheinland-pfälzische Unternehmen (auch außerhalb der Weinbranche) mit weniger als 1.000 Mitarbeitern. Zur Durchführung erhalten die Betriebe einen finanziellen Zuschuss von 70% des Beraterhonorars, maximal 4.800 €.


Fallbeispiel: Weingut Schweickardt

Einer von 100 Betrieben, die im Frühjahr bis Sommer 2012 einen EffCheck durchgeführt haben, ist das Weingut Schweickardt in Appenheim, Rheinhessen. Der Familienbetrieb wirtschaftet in der fünften Generation und hat seinen Schwerpunkt in der Direktvermarktung von Flaschenweinen. Außerdem betreibt das Weingut ein Gästehaus für Kunden und Weinfreunde.

Den ersten Anstoß, einen Energieberater auf den Hof zu holen, gab eine alte Kühlzelle, die dem Betriebsleiter schon seit langem ein Dorn im Auge war. Nach einer ersten Inaugenscheinnahme schlug der Berater vor, den ganzen Betrieb mit einem EffCheck zu überprüfen. Das Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz koordinierte das Projekt. Gemeinsam mit dem Berater wurden Optimierungspotenziale im Betrieb analysiert und erste rasch umzusetzende Maßnahmen in Angriff genommen. Für diese Analyse sollte man sich ausreichend Zeit nehmen.

Ein Beispiel für eine Maßnahme mit großem Optimierungspotenzial im Weingut Schweickardt war der Neubau einer Kühlzelle. Das ursprünglich vorhandene Kühlhaus samt Kältemaschine war zu groß dimensioniert, unzureichend gedämmt und wurde mit zu niedrigen Temperaturen betrieben. Auch die notwendigen Zyklen zum Abtauen des Eises an der Kältemaschine wurden zeitlich und nicht nach Bedarf geregelt.

Im September des Jahres 2013 wurde die Optimierung mit dem Neubau einer effizienteren Kühlzelle, fertig gestellt. Das alte Kühlhaus wurde zur Hälfte demontiert und durch eine neue Kühlzelle ersetzt. Diese wird nun mit einem wesentlich leiseren Kühlaggregat betrieben, welches neben geringeren Lärmbelastungen deutlich geringere Energieverluste aufweist. Dies liegt an der räumlich näheren Installation zur Kühlzelle mit verkürzten Leitungswegen. Der Teil des alten Kühlhauses, der noch steht, wird als Reserve zur Zeit der Lese genutzt und ist ansonsten abgeschaltet.

Darüber hinaus wird die neue Kühlzelle nun mit einer 5°C höheren, aber immer noch der Norm entsprechenden Temperatur von 1-2°C betrieben. Weil die Betriebstemperatur damit über dem Gefrierpunkt liegt, wird Eisbildung verhindert und ein Abtauen mit anschließend energetisch aufwändigem Rückkühlen ist nicht mehr notwendig. Mit dem neuen Kühlhaus werden pro Jahr Stromeinsparungen von 10.000 kWh erreicht. Das entspricht einer CO2-Einsparung von 6,5 Tonnen pro Jahr. Die Kosten des Neubaus in Höhe von etwa 18.000 € haben sich so in rund 8 Jahren amortisiert.

Ein weiterer Vorteil ist auch die Minderung der Geräuschbelastung durch den Kältekompressor. So entfällt eine nicht unerhebliche Lärmquelle; ganz im Sinne der im Ferienappartement beherbergten Gäste sowie der Nachbarn und Mitarbeiter.

Eine weitere Maßnahme zur Reduzierung des Energieverbrauchs, die in vielen Unternehmen unterschiedlichster Branchen Aufmerksamkeit verdient, ist eine effizientere Beleuchtung.

Die Gebäude des Weinguts Schweickardt wurden mit den bisher noch weit verbreiteten, 150cm langen T8-Leuchtstoffröhren mit konventionellem Vorschaltgerät beleuchtet. Diese Lampen verbrauchen pro Stück durchschnittlich 73 Watt/h. Der Stromverbrauch kann um 50% gesenkt werden, wenn diese Lampen auf T5-Leuchtstoffröhren mit elektronischem Vorschaltgerät umgerüstet werden. Zudem besitzen T5-Leuchtstoffröhren eine mit 20.000 Stunden im Vergleich zu 8.000 Stunden der T8-Leuchtstoffröhren wesentlich höhere Lebensdauer. Die Umrüstung erfolgt mit einem kompletten Leuchtsystem, das aus einem Schutzglas mit integrierter Röhre, dem Vorschaltgerät und einem Reflektor besteht. Dieses System kann ganz einfach in die vorhandene Fassung gegen die alte Röhre ausgetauscht werden, was die Investitionskosten niedrig hält und die Installation in Eigenleistung ermöglicht. Insgesamt wird der Austausch aller Leuchten Kosten von ca. 900 € verursachen, die sich im Durchschnitt in 4 Jahren amortisiert haben. Gunnar Schweickardt rüstet nun nach und nach defekte Röhren um und ist sehr zufrieden mit dem Resultat. Komfortabel ist auch, dass T5-Leuchtstoffröhren ohne das bekannte „Flackern“ beim Einschalten direkt in voller Helligkeit leuchten. Ein weiterer positiver Aspekt ist die Schutzummantelung, die Glasbruch verhindert.

Auch eine Photovoltaikanlage zur Eigenstromerzeugung auf dem vorhandenen Dach mit Südausrichtung war Teil des Maßnahmenplans im Rahmen des EffCheck. Die Installation einer solchen Anlage soll im Weingut Scheickardt zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil des EffChecks: Die finanzielle Unterstützung ist nicht daran gebunden, dass die ermittelten Maßnahmen auch sofort durchgeführt werden. Die Umsetzung ist rein freiwillig.

Zumeist werden die vorgeschlagenen Maßnahmen jedoch zeitnah und in enger Kooperation mit dem Berater umgesetzt. Zum einen wird so sein Know-how genutzt und zum anderen wollen die Betriebe so früh wie möglich von den Kosteneinsparungen profitieren. Auch für die Umsetzung selbst können Weingüter Fördermittel z.B. bei der KfW oder der BAFA beantragen. So können Betriebsleiter die Umsetzung der Maßnahmen individuell gestalten, wie es die Umstände im Weingut zulassen. Informationen hierzu sind u.a. bei der rheinland-pfälzischen Energieagentur erhältlich (www.energieagentur.rlp.de).

Svenja Knetsch


Kontakt:
Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und
Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz (LUWG)
Kaiser-Friedrich-Straße 7
55116 Mainz
Telefon: 06131 6033-1923 oder -1926
www.effcheck.rlp.de



Drei kurze Fragen an Winzer Gunnar Schweickhardt:

Frage: Was hat Ihnen den Impuls gegeben, am EffCheck teilzunehmen?

Antwort Gunnar Schweickhardt (GS):
„Unser beratender Ingenieur, der mit uns die ein oder andere bekannte Schwachstelle im Betrieb bearbeitete, brachte uns auf die Idee, den ganzen Betrieb mit einem EffCheck zu durchleuchten.“


Frage: Wie verlief die Zusammenarbeit mit dem Berater?

GS:
„Völlig unkompliziert. Der Arbeitsaufwand für mich war gering, da uns der beratende Ingenieur selbst bei der Ausschreibung unterstützt und sensibilisiert hat.“


Frage: Wie lautet Ihr Urteil zum Instrument EffCheck?

GS:
„Ich bin sehr zufrieden, auch weil der EffCheck gezeigt hat, dass doch mehr zu tun war, als zunächst gedacht.“






bernd.wechsler@dlr.rlp.de     www.Weinmarketing.rlp.de drucken