Kräuselkrankheit (Taphrina Deformans)

Viele Gartenfreunde bauen mit viel Freude und Engagement ihr eigenes Obst im Garten an. Unter den verschiedenen Obstarten steht der Pfirsich in den wärmeren Regionen in der Beliebtheit oft an erster Stelle. In seinem Ursprungsland China ist der Pfirsich mit der botanischen Bezeichnung „Prunus persica“ schon seit 4000 Jahren bekannt. Die Kultur dieser geschmacklich wunderbaren Frucht würde sicher noch zunehmen, wenn nicht eine Pilzkrankheit die Freude dämpfen würde. Gemeint ist die Kräuselkrankheit, in der Fachsprache auch „Taphrina deformans“ genannt.


Schadbild

Das auffälligste Erscheinungsbild lässt sich aus der lateinischen Bezeichnung ableiten: im Frühjahr sind die Laubblätter deformiert, blasig aufgetrieben und verdickt. Sie verfärben sich weißlich-grün bis rot. Auf der Blattoberseite, seltener auf der Unterseite, bildet sich ein samtartiger Belag. Die erkrankten Blätter vertrocknen und fallen im Laufe des Frühsommers ab, was zu einer Schwächung des Baumes führt.


Typisch für die Kräuselkrankheit: blasig
aufgetriebene, deformierte Blätter,
die im Frühsommer eintrocknen und abfallen
Durch den Blattverlust
(weniger Assimilationsfläche)
wird der Baum geschwächt
© DLR
© DLR
Erreger

Die Kräuselkrankheit wird durch den Pilz „Taphrina deformans“ hervorgerufen. Dieser überwintert auf den Knospen, den Zweigen und der Rinde. Der Pilz infiziert schon sehr frühzeitig die Knospen, sobald diese anfangen zu schwellen. Der Fachmann bezeichnet dieses Stadium als sog. „Knospenschwellen“, d. h. die Knospe wird dicker und die Knospenschuppen verschieben sich. Diese Eintrittspforte nutzt der Pilz ganz geschickt und verbreitet sich von hier aus mit dem beginnenden Austrieb auf die sich nun entwickelnden Blätter. Feuchtes Wetter fördert das Wachstum und die Verbreitung dieses Schadpilzes.


Zeitpunkt der Infektion

Die Kräuselkrankheit ist die Pilzerkrankung mit der frühesten Infektion! Pfirsiche benötigen nur eine kurze Winterruhe, so dass sie schon sehr früh austreiben (März) und blühen (April). Dementsprechend früh im Jahr startet auch der Stoffwechsel, erkennbar an dem oben beschriebenen Knospenschwellen. In manchen Jahren ist das schon im Januar feststellbar. Warme Phasen mit Temperaturen über 10 ° C sind also potentielle Infektionstermine, bei denen die erste Behandlung erfolgen müsste!


Bekämpfung

Eine Weile stand für die Bekämpfung der Kräuselkrankheit für den Hausgarten zulassungsbedingt kein Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Als einzige Möglichkeit gab es hier nur das Pflanzenstärkungsmittel Neudo-Vital Obst-Pilzschutz (Fa. Neudorff) - jetzt als Blattdünger "Neudo-Vital Obstspritzmittel" im Handel- zu nennen. Hierbei handelt es sich um natürliche Fettsäuren und Pflanzenextrakte, die mehrfach gespritzt die Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten erhöhen. In Versuchen am Dienstleistungszentrum Rheinpfalz in Neustadt konnte eine deutliche Befalls-Reduktion mit Neudo-Vital erzielt werden:


Versuch zur Bekämpfung der Kräuselkrankheit am DLR Rheinpfalz, Neustadt, 1996

Variante/eingesetzte Präparate
Anzahl befallener Triebe (%) im Mai
Wirkungsgrad (%)
Unbehandelt
52
-
Fungizid 1
17
67,9
Fungizid 2
15
70,6
Neudo-Vital
13,3
74,4

(Versuchsdurchführung: U. Harzer 1996)
Inzwischen wurde auch wieder ein Pflanzenschutzmittel gegen die Kräuselkrankheit zugelassen . Jedoch ist auch hier der rechtzeitige Einsatz ausschlaggebend für die erfolgreiche Bekämpfung!

Pflanzenschutzmittel:
http://www.pflanzenschutz-hausgarten.de/anwendungsSuche?kultur=Pfirsich&schaedling=Taphrina&einsatz=Obstbau&typ=integriert

Empfehlung:

Wer die Kräuselkrankheit an Pfirsichen reduzieren will, muss unbedingt frühzeitig beginnen, denn sobald die Temperaturen ab Januar für einige Tage über 10 ° C steigen, besteht bereits Infektionsgefahr. Hier sollte dann das Präparat Neudo-Vital nach den Angaben des Herstellers (jeweils 1-2 Behandlungen mit einer 3%-igen Lösung) eingesetzt werden. Um deutliche Effekte zu erzielen, müssen diese Behandlungen auch in den Monaten Februar, März und April immer bei den genannten warmen Temperaturen bis zum Austrieb konsequent weiter geführt werden. Aus den Versuchen ist bekannt, dass keine vollständige Bekämpfung möglich ist, sehr wohl aber eine deutliche Befallsreduktion. Bedenken Sie: nach der Blüte oder bei Erscheinen der ersten Symptome ist diese Pilzkrankheit nicht mehr bekämpfbar!
Wenn man neue Pfirsiche pflanzen will, sollten grundsätzlich weißfleischige Sorten ausgewählt werden, da diese robuster und weniger anfällig gegenüber der Kräuselkrankheit sind. Hierzu gehören Alexander`, `Benedicte`, `Früher Roter Ingelheimer`, `Rekord aus Alfter`, `Roter Ellerstädter` (Synonym: `Kernechter vom Vorgebirge`), `Amsden`. Unter den gelbfleischigen Sorten gilt `Dixired` als weniger anfällig, bei den rotfleischigen ist die Sorte `Roter Weinbergspfirsich` (Synonym `Peche de Vigne`) sehr robust.





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