Herbstliches Gartenaufräumen - ja oder nein?

Mit beginnendem Blätterfall sieht man viele Gartenbesitzer mit Rechen oder Laubsauger bewaffnet im Garten: Das Laub muss weg! Ebenso werden die Stauden radikal zurück geschnitten und alles ordentlich aus dem Garten geschafft. Schließlich sieht es nicht nur "unordentlich" aus, sondern birgt evtl. Schädlinge und Pilzkrankheiten, die man nicht ins nächste Jahr verschleppen will! Für andere ist diese Vorstellung ein Gräuel. Bieten doch Laub und andere abgestorbene Pflanzenteile vielen Nützlingen Unterschlupf, die im nächsten Jahr die Schädlinge in Schach halten. Außerdem weiß man auch die Schönheit von Raureif umsponnenen Gräsern und Zweigen zu schätzen. Garten aufräumen - auf keinen Fall! Tatsächlich haben die Positionen beider Parteien etwas für sich.
"aufräumen" bzw. wegbringen sollte man:
"liegen lassen" bzw. abdecken sollte man:
  • Laub vom Rasen entfernen - darunter können sich Pilze entwickeln
  • Blätter die nur schwer verrottbar sind und wuchshemmende Stoffe enthalten wie z.B. Walnussblätter
  • Laub auf Beeten und unter Hecken: der Boden bleibt feucht, locker und humusreich.
  • Reste kranker Pflanzen entsorgen, (soweit eine Kompostierung die Überwinterungsform der Krankheit nicht abtötet), um einem Neubefall vorzubeugen.
  • Einjährige Blumen, abgeschnittene Stauden werden kompostiert. Pflanzen mit Mehltaubefall können ebenfalls kompostiert werden. Bei anderen Pilzerkrankungen besser entsorgen.
  • nicht oder nur sehr dünn mulchen bei:
    1. sehr nassem Boden: Fäulnisgefahr
    2. bei starkem Schneckenbefall
  • Rosenstöcke in rauhen Lagen mit Erde oder Kompost anhäufeln und abdecken
  • Pampasgras zusammenbinden
  • Rückschnitt bzw. stutzen von Rosen und Stauden erst im Frühjahr: Unterschlupf bzw. Nahrung für Tiere, schöne Winterbilder
  • Alte Rosentriebe maximal bis zu einem Drittel zurückschneiden (Rosenschnitt erst im Frühjahr) und Stauden (Ausnahme: Pampasgras) stutzen: erleichtert die Bodenbearbeitung
Hieraus ergibt sich, dass es sich hier nicht um ein "entweder - oder" sondern um ein "sowohl als auch" handelt und es in jedem Garten Bereiche gibt, in denen es sinnvoll ist, das Falllaub zu entfernen und andere, in denen man es besser als Mulchschicht belässt bzw. einsetzt. Selbst im "aufgeräumtesten" Garten sollte es eine Ecke geben, in der sich Igel und Co. unter einem Reisighaufen und zwischen Falllaub wohlfühlen dürfen und auch im naturnahen Garten sollte man besser den Rasen frei rechen.





eva.morgenstern@dlr.rlp.de     www.Gartenakademie.rlp.de drucken nach oben