Ursachen von Nadelverfärbungen und Nadelfall bei Nadelgehölzen

Die Ursachen für Nadelverfärbungen bzw. Nadelfall können mannigfaltig sein, weshalb ihre Diagnose oft sehr schwierig ist. Die häufigsten Schadursachen werden nachfolgend aufgeführt.

Parasitäre Ursachen (Schädlinge)
Fichten und Tannen, seltener Kiefern, können von verschiedenen Läusearten befallen werden. Insbesondere die Sitkafichtenlaus – sie befällt bevorzugt Blaufichten (im Volksmund Blautannen genannt) – ist hier zu nennen. Die Schäden dieses saugenden Parasiten äußern sich zunächst in unregelmäßigen, gelblich-braunen Stellen an den Nadeln, sie später abfallen. Bei sehr starkem Befall bleibt nur der jüngste, äußerste Nadeljahrgang an den Zweigen, im Inneren sind sie oft völlig kahl.
Spinnmilben treten insbesondere an Zuckerhut- und anderen Zwergfichtenarten auf. Stärkerer Befall führt zunächst zu partiellen Verbräunungen, später können sogar die Nadeln der gesamten Pflanze braun verfärbt sein.

Nichtparasitäre Ursachen
Viel häufiger als 'parasitäre' Nadelverfärbungen sind solche, die nicht von tierischen oder anderen lebenden Krankheitserregern hervorgerufen werden.

Anwachsschwierigkeiten
Nach dem Stress des Umpflanzens ('Pflanzschock') vermögen die oft stark eingekürzten und/oder geschädigten Wurzeln noch nicht genügend Wasser aufnehmen. Da die Nadeln jedoch weiterhin transpirieren, entsteht in den Pflanzen ein Wasserdefizit, was zu deren Absterben führen kann.
Symptome: gleichmäßige, an der Spitze beginnende Gelb- und Braunfärbung der Nadeln und Nadelfall. Leider werden diese Symptome häufig erst viele Monate später sichtbar, so dass das Nichtanwachsen als Schadursache verkannt wird!

Trockenheit
Wie alle Pflanzen, so benötigen auch Koniferen eine mehr oder minder gleichmäßige Wasserversorgung. Anders als bei den meisten Laubgehölzen, welche nach Wassermangel recht bald schon gelbe und braune Blattränder bekommen, sind die Schäden bei Nadelgehölzen jedoch oft erst nach Monaten oder gar erst im Folgejahr sichtbar.

Als Folge von Wassermangel über einen längeren Zeitraum hinweg werden die Nadeln gleichmäßig – meist im Inneren der Pflanzen beginnend – gelb und braun und fallen schließlich ab.

Ballentrockenheit
Trocknet der Wurzelballen einmal vollständig aus ist er nur sehr schwer wieder bis ins Innerste zu befeuchten. Die feinsten, für die Wasseraufnahme aber entscheidenden Haarwurzeln werden durch Trockenheit als erste geschädigt und können dann nicht mehr genügend Wasser aufnehmen. Die Gefahr der Ballentrockenheit ist insbesondere in der Anwachsphase gegeben (s. Anwachsschwierigkeiten).

Frosttrocknis
.. ist eine weitere Form des Wassermangels bei wintergrünen Gehölzen. Auch im Winter transpirieren diese Pflanzen in Abhängigkeit von Temperatur, Luftbewegung und Sonneneinstrahlung. Können sie ihren Wasserbedarf aus gefrorenem Boden nicht über die Wurzeln decken, so schützen sie sich vor übermäßigem Wasserverlust durch das Abstoßen ('schütten') der älteren Nadeljahrgänge. Nach schneearmen Wintern mit abwechselnden starken Frostperioden, besonders dann, wenn auch noch ein trockenes Frühjahr mit warmen Tagen und kalten Nächten folgt, kann diese Erscheinung auftreten.

Natürlicher Nadelfall – bes. an Kiefern
Die an Kiefern im Sommer häufig feststellbare Braunfärbung und das anschießende Abfallen der
ältesten Nadeljahrgänge (also im Inneren des Baumes) ist in den weitaus meisten Fällen normal. Wie bei allen Koniferen werden die ältesten Nadeln nach etwa drei bis fünf Jahren abgestoßen. Bei Kiefern verläuft dieser Vorgang in rel. kurzer Zeit ab und ist deshalb besonders auffällig.

Bodenverdichtungen
Diese wirken sich im Untergrund besonders nachteilig aus: die Wurzeln vermögen derartige Schichten kaum zu durchdringen und bei starken Regenfällen oder unsachgemäßer Wässerung kommt es zu stauender Nässe und dadurch bedingtem Sauerstoffmangel. Dies führt dann dazu, dass die Wurzeln nicht ausreichend Wasser und Nährstoffe aufnehmen können. Die Folge sind Nadelverfärbungen und Nadelfall.
Auch seitliche Mauerfundamente können zu einer Einschränkung des Wurzelwachstums führen, was zu den bereits unter 'Bodenverdichtungen' beschriebenen Folgen führen kann.
Oberflächliche Bodenverkrustungen haben einen versiegelnden Effekt: Wasser und Sauerstoff können nur schwerlich in den Boden eindringen, was insgesamt eine mangelnde Wurzelaktivität nach sich zieht. Folge: Die Wurzeln nehmen wenig Wasser und Nährstoffe auf, was zwangsläufig die bereits mehrfach erwähnten Nadelverfärbungen und Nadelfall nach sich zieht.

Nährstoffmangel
Was für andere Pflanzenarten als selbstverständlich erachtet wird, nämlich, dass Pflanzen auch gedüngt werden müssen, wird für Nadelgehölze häufig als unnötig erachtet. Gelb- und Braunfärbungen von der Nadelspitze her können auch Anzeichen von Nährstoffmangel, insbesondere an Magnesium, sein. Zur allgemeinen Nährstoffversorgung sollten spezielle Koniferendünger verwendet werden.


Lutz.Guendel@dlr.rlp.de     www.gartenakademie.rlp.de drucken nach oben  zurück